Rückversicherung

Von

Beate Drewing, Practice Leader Energy bei AXA XL, und François Lanavère, Head of Business Development bei AXA Climate

Rund um den Globus setzen Länder verstärkt auf die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zur Senkung der Kohlenstoffemissionen zu erreichen. Laut Bloomberg New Energy Finance werden Wind- und Solarenergie bis 2040 bereits 48 % der installierten Kapazität und 34 % der weltweit erzeugten Elektrizität ausmachen.

Offshore- und Onshore-Windparks sind ein wichtiger und schnell wachsender Sektor im Bereich der erneuerbaren Energien, dessen installierte Kapazität sich bis 2030 weltweit vervierfachen soll.

Windparks müssen naturgemäß in Gebieten errichtet werden, in denen regelmäßig und zuverlässig starke Windverhältnisse herrschen. In den USA sind beispielsweise die Küsten entlang des Atlantiks, des Pazifiks und der Großen Seen große Windenergieressourcen. Dies bedeutet jedoch zugleich, dass die für Windparks bevorzugten Gebiete mitunter von schweren Wetterereignissen (z. B. atlantischen Hurrikans) betroffen sein können. In Lateinamerika und Asien, zwei Regionen, in denen die Nachfrage nach Windenergie zunimmt, können geeignete Standorte für Windparks von Wirbelstürmen bedroht sein, die sich zum Beispiel über dem nord-tropischen Pazifik oder dem Südpazifik bilden.

Darüber hinaus sind bebaute, urbane Gebiete verständlicherweise oft die größten Energieverbraucher. Um ihren Bedarf zu decken und die Energieversorgung solcher Ballungsräume zu optimieren, werden zunehmend Windparks in der Nähe von Städten errichtet.

Allerdings bedeutet die steigende Nachfrage nach Windparks auch, dass neue Parks künftig eher in schwerer zugänglichen Gebieten oder in Arealen errichtet werden, die auch anderen Naturkatastrophenrisiken wie Erdbeben ausgesetzt sein können, da der Bau in gut zu erschließenden Gegenden bereits in sehr weiten Teilen erfolgt ist.

Windturbinen sind konstruktionsbedingt kopflastige Objekte. Und obwohl sie so gebaut sind, dass sie sehr starken Windgeschwindigkeiten standhalten, können Unwetter zu Verzögerungen während der Bauphase oder zu Schäden und daraus resultierenden Leistungsverlusten im laufenden Betrieb führen.

Im Jahr 2003 verursachte der Taifun Maemi umfangreiche Schäden an Onshore-Windkraftanlagen auf der Insel Miyakejima vor der Küste Tokios. Und 2013 entstand durch den schweren Tropensturm Usagi ein Schaden in Höhe von 16 Millionen Dollar an einem Onshore-Windpark in China.

Die Rolle des Risikotransfers

Während der Lebensdauer einer Windkraftanlage, egal ob On- oder Offshore, gibt es verschiedene Phasen, in denen der Risikotransfer eine wichtige Rolle spielt. Die Delay-in-Start-up-Deckung ist eine Form des Risikotransfers, die zum Schutz vor Verlusten beitragen kann, die durch versicherte Ereignisse verursacht werden, die den Bau von Windparks stoppen oder verzögern.

Da der Bau von Windparks oftmals privatwirtschaftlich finanziert ist, können sich Störungen empfindlich auf den Cashflow auswirken. Kommt es infolge eines versicherten Schadens, z.B. aufgrund von Unwettern, zu einer Verzögerung des Baufortschrittes, stehen Kunden vor der Herausforderung, die entstandenen Einnahmeausfällen schnell wieder hereinzuholen, um ihre Kreditgeber bedienen zu können.

Windkraftwerke sind große, technische Konstruktionen. Wenn sie während ihres Betriebs beschädigt werden, kann der Versicherungsschutz eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Betrieb schnell wieder aufnehmen zu können. Hier spielen Risikoingenieure eine wichtige Rolle. Ihr Verständnis der technischen Besonderheiten dieser Anlagen und der Risiken, die mit ihrer Konstruktion und ihrem Betrieb verbunden sind, kann sowohl den Kunden als auch den Versicherern bei der Sicherstellung einer angemessenen Deckung für den Fall helfen, dass etwas schiefgeht.

Parametrische Versicherungslösungen bieten hier eine interessante Alternative und mögliche Ergänzung zu traditionellen Deckungskonzepten.

Parametrische Versicherung

Die parametrische Versicherfung bietet Kunden vordefinierte Auszahlungen, die auf einem vorher vereinbarten Schwellenwert („Parameter“) basieren. Sie spielt eine zunehmende Rolle bei der Absicherung der mit Windparks verbundenen Risiken.

Im Falle des Baus eines Offshore-Windparks könnte ein solcher Schwellenwert beispielsweise in einer bestimmten Wellenhöhe liegen, die eine Verzögerung verursachen würde. In Zusammenarbeit mit dem Kunden würden unsere Risikoexperten den Schwellenwert anhand einer Wellenhöhe festlegen, die wahrscheinlich zu einer Verzögerung des Baus führen würde. Zusätzlich wird eine Auszahlungshöhe vereinbart, die auf den durch die Verzögerung verursachten Kosten basiert.

Wenn die Deckung durch Wellen in einer vorher vereinbarten Höhe ausgelöst wird, erfolgt die Auszahlung schnell und ist nicht vom Besuch eines Schadensregulierers abhängig. Auch nach der Fertigstellung von Windparks können parametrische Versicherungen für Kunden äußerst nützlich sein. Hierzu gehört u.a. die Absicherung von Kumulrisiken. Häufig werden Windparks in den Gebieten angesiedelt, die die richtigen Bedingungen für ihren Betrieb bieten. Das bedeutet, dass die Kunden als Betreiber eine große Anzahl von Windanlagen in einem geografischen Gebiet haben können, die im Falle eines größeren Extremwetterereignisses in eben diesem Gebiet alle betroffen sein könnten. Eine parametrische Deckung kann die traditionellen Versicherungsdeckungen ergänzen, um dieses Risiko zu mindern.

Sie kann zudem eine Alternative in Bereichen bieten, in denen traditionelle Deckungen nur begrenzt verfügbar oder sehr teuer sind. Hierzu gehören Betriebsunterbrechungsdeckungen ohne vorherigen Sachschaden.

Ein parametrischer Auslöser kann so gestaltet werden, dass er Einnahmeverluste abdeckt, die durch ein schadensfreies Ereignis verursacht werden.

Betreiber von Windparks können eine parametrische Versicherung auch dazu abschließen, um sich vor Kapazitätsproblemen zu schützen - z.B. wenn nicht genügend wind vorhanden ist, um die geplante Strommenge zu produzieren. Hier könnte eine vereinbarte Windstärke ein auslösender Parameter sein.

Parametrische Deckungen können auch zusätzlich zu einer Eigentragung eingesetzt werden und können schnell zur Auszahlung kommen, wenn ein vorher vereinbarter Schwellenwert über- oder unterschritten wird. Zum Beispiel könnte eine Captive verwendet werden, um das Risiko eines Hurrikans der Kategorie 1, 2 oder 3 selbst zu tragen. Ein parametrischer Auslöser könnte so gestaltet werden, dass er Wirbelstürme ab Kategorie 4 abdecken. Diese Police kann zudem über eine proportionale Deckung rückversichert werden.

Versicherer entwickeln diese Art von Lösungen mit Kunden, die einem Klimarisiko ausgesetzt sind. Die Gestaltung solcher Deckungen erfordert ein hohes Maß an Fachwissen. Unsere Risikoingenieure arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, um zum Beispiel die Bauweise, die Struktur und die Belastbarkeit von Windkraftanlagen zu verstehen. Und unsere Klimaexperten befassen sich mit Wetterrisiken und dem Verständnis von spezifischen Schwellenwerten, deren Über- oder Unterschreitung Schadenereignisse für diese Kunden bewirken könnten.

Allerdings können parametrische Deckungen nicht nur für Risiken im Zusammenhang mit Windparks eingesetzt werden, um klimabedingte Risiken zu minimieren oder Kunden im Bereich der erneuerbaren Energien zu entlasten. Deckungskonzepte können so gestaltet werden, dass sie Kunden im Bereich der Solarenergie bei unzureichender Sonneneinstrahlung absichern oder das Risiko von Hagelschäden abdecken, um nur einige Beispiele zu nennen.

Der Klimawandel und das Streben nach mehr Nachhaltigkeit werden wahrscheinlich noch viele Jahre lang die Agenda von Unternehmen aller Art und insbesondere im Energiesektor dominieren. Wir glauben, dass innovative Lösungen wie die Nutzung parametrischer Deckungen als Ergänzung zu traditionellen Versicherungen unseren Kunden aus dem Bereich der erneuerbaren Energien ermöglichen werden, weiter in Richtung einer grüneren Zukunft zu wachsen.

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