Rückversicherung

Von

Laurent Wüthrich, Product Leader Property, APAC & Europe, und Peter Knaus, Country Manager Germany

Im zweiten einer Reihe gemeinsamer Interviews mit Produkt- und Länderverantwortlichen von AXA XL sprechen Laurent Wüthrich, Product Leader Property, APAC & Europe, und Peter Knaus, Country Manager Germany, über die Auswirkungen von Naturgefahren auf die Sachversicherung und darüber, wie neue Lösungen Kunden helfen können, diese sich entwickelnden Risiken besser zu verstehen, zu managen und zu mindern.

Wie wirken sich Naturgefahren auf die Sachversicherer aus?

Laurent Wüthrich: Wenn wir zurückblicken, war die Sachversicherung ursprünglich und in erster Linie darauf ausgelegt, Feuerrisiken zu mindern. Die Policen deckten zwar auch Schäden durch Naturkatastrophen ab, aber historisch gesehen waren diese nicht so bedeutend. Großschadenereignisse wie der Hurrikan Andrew im Jahr 1992 waren eher ungewöhnlich, und globale Versicherer mit geografisch verteilten Sachportfolios konnten erhebliche Katastrophenschäden in einem Land oder einer Region abfedern.

Inzwischen ist das Brandrisiko in den meisten Teilen der Welt aufgrund strengerer Bauvorschriften und besserer Baumaterialien und -methoden stetig gesunken. Gleichzeitig haben die Verluste durch Naturkatastrophen kontinuierlich zugenommen. Laut Aon beliefen sich die Kosten von Naturkatastrophen von 2000 bis 2009 auf insgesamt USD 1,8 Billionen. In den folgenden zehn Jahren wuchs dieser Betrag auf USD 3,0 Billionen an.

Heute wird die Dynamik des Sachversicherungsmarktes in hohem Maße von Naturgefahren beeinflusst, darunter Hurrikans/Taifune, Überschwemmungen, Erdbeben/Tsunamis und Waldbrände.

Wie ist die Situation in Deutschland?

Peter Knaus: Viele unserer Kunden in Deutschland sind international tätig und heutzutage verstärkt wetter- und erdbebenbedingten Ereignissen in verschiedenen Teilen der Welt ausgesetzt: von Hurrikans/Zyklonen in den USA und Südostasien über Erdbeben in Italien, der Türkei und Mexiko bis hin zu Waldbränden in Kanada, den USA und Australien. Und auch hier in Deutschland haben Kunden Schäden durch schwere Überschwemmungen, Stürme oder Hagel erlitten.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Risikoexperten in Deutschland laut dem aktuellen AXA Future Risks Report den Klimawandel als größtes Zukunftsrisiko der Gesellschaft sehen. Weltweit werden Pandemien als aktuelle Bedrohung Nummer eins eingestuft.

In diesem Zusammenhang möchte ich anmerken, dass wir in diesen schnelllebigen, anspruchsvollen Zeiten zuvor unbekannte Situationen bewältigen müssen. Für mich unterstreicht dies nur die Bedeutung einer starken Dreierbeziehung: Kunde - Makler - Versicherer. Ich glaube auch, dass es angesichts der Herausforderungen, mit denen wir alle konfrontiert sind, noch wichtiger ist, dass wir Versicherer neue Tools und Technologien nutzen, um unseren Kunden zu helfen, sich besser auf verschiedene Naturgefahren vorzubereiten und auf sie zu reagieren.

Können Sie dies näher erläutern?

Peter Knaus: Als Beispiel aus Deutschland möchte ich die parametrische Deckung nennen, die wir gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen von AXA Climate entwickelt haben.

Niedriger Wasserstand auf deutschen Wasserstraßen kann erheblichen Einfluss auf die Binnenschifffahrt nehmen und den Transport wichtiger Güter unserer Kunden massiv beeinträchtigen. Die finanziellen Auswirkungen durch solche Unterbrechungen der Lieferkette sind mit herkömmlichen Deckungen nicht versicherbar. Zudem treten diese Bedingungen häufiger auf und halten länger an.

Daher haben wir neue Modellierungsmöglichkeiten genutzt und eine parametrische Deckung auf der Basis von Wasserständen entwickelt. In diesem Fall wird die Deckung ausgelöst und eine Auszahlung erfolgt, wenn der Flusspegel unter eine bestimmte Höhe fällt. Die Deckung umfasst neben den direkten Kosten durch die Transportunterbrechung auch die Ausfallkosten des Schiffes während der Liegezeit. Für die Entwicklung dieses Deckungskonzepts wurden wir bei den 2020 European Risk Management Awards der FERMA als "Insurer Innovation of the Year" ausgezeichnet.

Gerne möchte noch zwei Beispiele aus dem Bereich Risikoberatung für relevante Unterstützung von Kunden nennen. Unter dem Namen Risk Scanning hat AXA XL Risk Consulting ein spezielles Angebot für global aufgestellte Kunden entwickelt, das ihre mit bestimmten Vermögenswerten verbundenen Risiken quantifiziert und bewertet. Kunden erhalten somit ein konsistentes Bild der relativen Risikoniveaus für das Gesamtportfolio und einzelne Standorte. Diese Erkenntnisse können ihnen helfen, ihre Ressourcen effizienter zu verteilen und gezielt in Prävention, Vorbereitung und laufende Überwachung zu investieren.

Das zweite Beispiel heißt CYMO. Es ist ein Monitoring-Tool, das von unseren Kolleginnen und Kollegen bei AXA Climate entwickelt wurde. CYMO hilft Kunden in der Zeit vor, während und nach einer Naturkatastrophe, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, um Schäden zu minimieren. Sobald CYMO "sieht", dass sich eine konkrete Gefahr entwickeln könnte, sendet das System gezielte Warnungen an die relevanten Personen, die ihnen mitteilen, was sie zu erwarten haben und welche Schritte sie aufgrund der Vorhersagen über den Verlauf des Ereignisses einleiten sollten. Diese Warnungen werden laufend detaillierter und spezifischer, je mehr Daten über das Ereignis eintreffen.

Ähnliche Ansätze gibt es zwar schon seit einiger Zeit, aber sowohl Risk Scanning als auch CYMO nutzen neue Tools und Technologien, darunter Maschinenlesen und Künstliche Intelligenz, die es uns ermöglichen, riesige Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen zu sammeln, zu analysieren und zu verdichten – und dies immer schneller und kostengünstiger. Bei CYMO zum Beispiel werden Datenströme aus einem einzigartigen globalen Netzwerk von Satelliten, Drohnen und sozialen Netzwerken verwendet, um schnell eine visuelle Bewertungskarte des Ereignisses zu erstellen. Diese detaillierten Informationen können bei der Reaktion auf ein Naturereignis äußerst wertvoll sein.

Wie wirkt sich dies alles auf die Art und Weise aus, wie Sachversicherungsprogramme strukturiert werden?

Laurent Wüthrich: Wie von Peter Knaus bereits erläutert, erzeugt die zunehmende Bedrohung durch Naturgefahren eine erhöhte Nachfrage nach neuen Lösungen. Teil der beschriebenen Dynamik sind jedoch auch eingeschränkte Limits und in manchen Fällen erhöhte Selbstbehalte. Beides kann wichtige Auswirkungen für Kunden und Makler haben. Insbesondere wenn Kunden ihre bestehenden Limits für Naturgefahren-Exponierungen unverändert auf dem bisherigen hohen Niveau halten wollen, während die großen Versicherungsgesellschaften Kapazitäten reduzieren, müssen die Programmstrukturen mehr Mit- und Rückversicherer umfassen. Das wiederum bedeutet, dass Risikomanager noch enger mit Maklern und Versicherern zusammenarbeiten müssen, um die richtigen Lösungen für die Risiken ihres Unternehmens zu finden.


Laurent Wüthrich ist seit mehr als 25 Jahren in der Sachversicherung tätig und arbeitet seit 2009 bei AXA XL bzw. den Vorgängergesellschaften. Er wurde kürzlich zum Product Leader Property für die Region APAC & Europa ernannt. In dieser neu geschaffenen Rolle unterstützt er die lokalen Experten als zentrale Schnittstelle zwischen den Ländern und dem regionalen CUO in allen technischen Sachversicherungsfragen. Peter Knaus ist Country Manager von AXA XL für Deutschland und verfügt über mehr als 27 Jahre Erfahrung in der Versicherung von Unternehmensrisiken.

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