Rückversicherung

Auswirkungen, Schadenbegrenzung und Trends

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Im Zusammenhang mit den pandemiebedingten Einschränkungen gaben Verbraucher über Monate weniger Geld aus und sparten folglich mehr. Mit der Wiedereröffnung der Wirtschaft ergeben sich wieder Möglichkeiten, der aufgestauten Konsumenten-Nachfrage nachzugeben.
Leider haben Anbieter aufgrund von logistischen Herausforderungen und gestiegenen Kosten jedoch Schwierigkeiten, der erhöhten Nachfrage gerecht zu werden. Entscheidende Glieder innerhalb der Lieferkette sind mit einem Auftragsstau und einem Mangel an verfügbaren Containern konfrontiert. Die Verbraucher tragen die Hauptlast dieser Herausforderungen: kurzum sie müssen höhere Preise zahlen.
Als weltweiter Versicherer von Seefracht kann AXA XL Unternehmen helfen, diese Risiken zu mindern. Während physische Verluste oder Schäden an der Ladung versichert werden können, sind die immateriellen Folgen von Lieferverzögerungen oder die Nichtverfügbarkeit verlorener oder beschädigter Waren nicht versicherbar.


Auswirkungen auf Seefrachtkunden
Vereinbarte Fristen nicht einhalten zu können, stellt für Frachtführer ein Reputationsrisiko dar. Sie könnten Marktanteile an Unternehmen verlieren, die schneller Lösungen anbieten können. Und die Schwächung der Kundentreue wirkt sich möglicherweise auf künftige Aufträge aus.
Der Transport von Waren in defekten oder ungeeigneten Containern kann zu Beschädigungen führen, durch welche die Fracht unverkäuflich und bei der Lieferung wahrscheinlich zurückgewiesen werden kann. In Fällen, in denen die Waren im Ursprungsland unsachgemäß verpackt wurden, kann die Entschädigung durch Transportversicherungen gefährdet sein, je nach den Bedingungen der Police und dem Grad der Abweichung von der Eignung der Verpackung. Sollte der Versicherungsschutz greifen, muss der Versicherte möglicherweise einen Selbstbehalt in Kauf nehmen und erhebliche Ressourcen für die Einreichung von Schadenunterlagen aufwenden.

Und das ist nicht alles.

Angesichts eines weiteren COVID-19-Anstiegs werden die Transportunternehmen wahrscheinlich zusätzlich mit einem Personalabbau konfrontiert sein, was die Lage noch verschärft. Mit der bevorstehenden Weihnachtzeit erwarten wir einen erhöhten Containerverkehr. Leider werden sich diese Herausforderungen eher verschlimmern als sich zu verbessern. In einigen veröffentlichten Berichten wird davon ausgegangen, dass Kapazitätsbeschränkungen, steigende Preise und Arbeitskräftemangel bis weit ins Jahr 2022 anhalten werden.

Wie man diese Risiken minimiert

AXA XL empfiehlt die folgenden bewährten Vorgehensweisen:

  • Nutzen Sie Rahmen-Dienstleistungsverträge, um Frachtführer zu verpflichten, geeignete Container zur Verfügung zu stellen. Verlagern Sie die Haftung für den Verlust oder die Beschädigung von Gütern, die sich in ihrer Obhut, ihrem Gewahrsam und ihrer Kontrolle befinden, auf diese Dienstleister – und dies über die niedrigen, gesetzlich vorgegeben Beträge hinaus.
  • Verlangen Sie, dass die Container vor der Beladung anhand standardisierter Checklisten überprüft werden, um eine gründliche und einheitliche Qualitätssicherung zu gewährleisten. Fordern Sie Kopien innerhalb von 1-2 Tagen nach dem Versand an, überprüfen Sie diese und machen Sie die Vertragspartner für Abweichungen verantwortlich.
  • Weisen Sie ungeeignete Container zurück, auch wenn dies zu weiteren Verzögerungen führt. Befähigen und ermutigen Sie Ihre Spediteure und Frachtführer, Entscheidungen zum Schutz der Ladung durch eine zweckmäßige Verpackung zu treffen.
  • Verstärken Sie die Kontrollverfahren für die Ladung selbst, einschließlich der Inspektion vor der Beladung und der Validierung der Eignung des gewählten Containers. Machen Sie Fotos und dokumentieren Sie die Qualität sowohl der Ladung als auch des Containers zum Zeitpunkt der Beladung.
  • Bei temperaturkontrollierten Containern sollte ein höheres Maß an Sorgfalt und Überprüfung auf ordnungsgemäße Versiegelung, ausreichenden Treibstoff, Vorkühlung, Wartung, Zertifizierung der Nahrungsmittelqualität und Inspektionsberichte für Maschinen gelten.
  • Installieren Sie Messgeräte in Kühlcontainern, um Temperaturänderungen zu verfolgen, Abweichungen festzustellen und den genauen Standort zu ermitteln. Stellen Sie sicher, wie und wann Sie im Schadenfall auf die Aufzeichnungsunterlagen zugreifen können. Dies kann bei der Untersuchung helfen, wo in der Lieferkette der Schaden aufgetreten ist, und die Haftung entsprechend zuzuordnen.
  • Verwenden und vereinbaren Sie INCOTERMS, die die Verantwortung für die Ware zum frühestmöglichen Zeitpunkt in der Lieferkette übertragen.
  • Versenden Sie nur über seriöse Frachtführer, die eine Verkehrshaftungsversicherung abgeschlossen haben, um die Verluste Ihrer Kunden zu mindern.
  • Und schließlich sollten Sie mit Ihrem Transportversicherer zusammenarbeiten, um Ihre Deckung und die verfügbaren Ressourcen zur Risikominderung besser zu verstehen. Die Underwriter und Risikoexperten von AXA XL können Ihnen dabei helfen, in dieser schwierigen Zeit mehr Kontrolle über Ihre Risiken und Haftungen zu erlangen.

Die Nichtverfügbarkeit von Containern hat zu monatelangen Verspätungen und erhöhten Preisen für neue Container beigetragen, so dass Unternehmen nicht in der Lage sind, ihre Waren ohne erhebliche Zusatzkosten rechtzeitig zu transportieren.

Anhaltender Druck

Die Seefrachtbranche wird bis zum Jahr 2022 eine Reihe bedeutender Herausforderungen bewältigen müssen. Vor allem vier Trends werden den Markt und die Lieferkette für Seefracht wahrscheinlich zusätzlich unter Druck setzen.

  1. Reduziertes Angebot an Frachtcontainern
    Die Nachfrage hat das Angebot an verfügbaren Frachtcontainern überstiegen. Die Vorratsbildung von Haushaltswaren und die durch die Schließung von Geschäften ausgelösten Online-Einkäufe haben die Nachfrage nach Gütern in die Höhe getrieben, die hauptsächlich auf dem Seeweg transportiert werden. Weltweit werden rund 170 Millionen Frachtcontainer für 90 % der verschifften Ware genutzt.
    Dies führte zu Staus in den Häfen rund um die USA – dem größten Importeur der Welt – und behinderte die übliche Umschlaggeschwindigkeit der Container.
    Die Situation verschlimmerte sich, als die Ever Given, ein 400 Meter langes Frachtschiff, Ende März im Suezkanal festsaß. Dieser Vorfall verursachte einen Stau von 400 Schiffen und mehr als 4 Millionen Containern.
    Die Nichtverfügbarkeit von Containern hat zu monatelangen Verspätungen und erhöhten Preisen für neue Container beigetragen, so dass Unternehmen nicht in der Lage sind, ihre Waren ohne erhebliche Zusatzkosten rechtzeitig zu transportieren.
  2. Erhöhte Transportkosten
    Die Produktion neuer Container wird weitgehend von drei chinesischen Unternehmen (CIMC, DFIC und CXIC) kontrolliert, die rund 80 % der weltweit hergestellten Container produzieren. Für 2021 wird zwar ein Produktionsanstieg von 6-8 % prognostiziert, doch wird dies wahrscheinlich nicht ausreichen, um die schnell wachsende Nachfrage zu decken.
    Die Kapazitätsknappheit führt zu Rekordpreisen für neue Container. Die durchschnittlichen Kosten für einen neuen Container lagen vor einem Jahr noch bei 1.800 USD gegenüber einem heutigen Preis von etwa 3.500 USD. Dies ist ein Anstieg von 94 %. Auch Unternehmen, die diese Kosten tragen können, müssen im Durchschnitt trotzdem drei bis vier Wochen auf ihren neuen Container warten.
    Die Gesamtkosten für die Containerschifffahrt steigen ebenfalls stetig an, was auf die Inflation und die steigenden Treibstoffkosten zurückzuführen ist. Einige Daten zeigen, dass die Versandkosten pro Container allein zwischen April und August 2021 um 6.000 USD gestiegen sind.
  3. Personalknappheit
    Der Arbeitskräftemangel in der Schifffahrtsbranche verschärft den Druck auf die globale Lieferkette. Krankheiten und Quarantänen haben viele Arbeiter den Job gekostet. Die niedrigen Impfraten unter den Seefrachtarbeitern haben nicht gerade dazu beigetragen.
    Nach Angaben der International Chamber of Shipping waren im Juli 2021 weltweit nur 2,5 % der in der Schifffahrtsbranche Beschäftigten geimpft. Reisebeschränkungen und geänderte Anforderungen für Impfungen in den Heimatländern haben die Bemühungen um eine Erhöhung dieses Prozentsatzes verzögert.
    Verzögerungen in den Häfen und die gestiegene Nachfrage bedeuten auch längere Arbeitszeiten und mehr Stress für Schiffs- und Hafenarbeiter, was einige dazu veranlassen könnte, die Branche ganz zu verlassen.
  4. Laxe Umsetzung der Qualitätsstandards
    Die Belastung der Schifffahrtsunternehmen führt zu einer erhöhten Fehlerquote, die entweder auf überlastetes Personal, mangelnde Aufsicht oder einfach nur auf Einsparungen zurückzuführen ist, um die Fracht rechtzeitig zu befördern.
    Transportunternehmen berichten, dass sie zunehmend Container mit sichtbaren Mängeln wie Löchern, Dellen oder defekten Verriegelungsmechanismen erhalten. Kühltransporter kommen mit geringem Treibstoffvorrat, bei falscher Temperatur und wartungsbedürftig an. Dies deutet darauf hin, dass einige Unternehmen die Unversehrtheit der Container zugunsten der Einhaltung von Lieferfristen vernachlässigen.
    Wenn keine Container zur Verfügung stehen, greifen Transportunternehmen mitunter zu riskanteren Alternativen wie mit Planen bedeckte Open-Top-Containern oder Stückgutversand, bei denen Ware, die nicht in Standardcontainer passt, stattdessen in losen Säcken, Kisten, Verschlägen, Fässern oder anderen Transportmitteln befördert wird. Diese Methoden verursachen zusätzliche Risiken und sollten vermieden werden.

Abschließende Bemerkungen

Die Häfen in Kalifornien sehen sich derzeit mit einem rekordverdächtigen Rückstau an Frachtgut konfrontiert. Nachrichtenagenturen und Einzelhändler raten den Verbrauchern, ihre Weihnachtseinkäufe frühzeitig zu erledigen. Die Verbraucher warten immer ungeduldiger auf die im letzten Jahr bestellten Möbel und Haushaltsgeräte. Die Fracht- und Logistikbranche steht von allen Seiten unter Lieferdruck.

Auch wenn diese Herausforderungen nicht von heute auf morgen verschwinden werden, kann eine Verstärkung des Risikomanagements, insbesondere der Präventionsmaßnahmen, ein hohes Maß an Schutz vor Fracht- und finanziellen Verlusten bieten.
Über die Autoren

Andrew D'Alessio ist Head of Ocean Cargo in the Americas von AXA XL. Jarek Klimczak ist Master Mariner und Senior Account Consultant Marine - Americas, AXA XL Risk Consulting

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