Rückversicherung
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Da Risiken zunehmend miteinander verflochten sind, benötigen Unternehmen mehr als nur finanziellen Schutz. Libby Benet erläutert, wie Fachwissen, Daten, Technologie und Erkenntnisse aus Schadenfällen Unternehmen dabei helfen können, früher zu handeln, ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken und die Versicherbarkeit ihrer Risiken zu sichern. Sie ist CEO von AXA XL Risk Advisory. 

Wer wie ich seit vielen Jahren in der Versicherungsbranche tätig ist, erlebt immer wieder, wie wichtig Versicherer für Unternehmen in schwierigen Situationen sein können. Versicherungsleistungen können zwar helfen, physische und finanzielle Schäden zu bewältigen. Doch verlorenes Vertrauen lässt sich durch sie nicht immer zurückgewinnen, Arbeitsplätze nicht sichern und die Auswirkungen auf betroffene Gemeinschaften nicht rückgängig machen.  

Genau deshalb ist Resilienz so wichtig. Sie hilft Unternehmen, vermeidbare Schäden zu verhindern, sich auf Störungen vorzubereiten und sich von Ereignissen, die sich nicht verhindern lassen, schneller und wirksamer zu erholen. Auf diese Weise schützt sie Menschen, den Ruf, den Geschäftsbetrieb und den langfristigen Unternehmenswert. Zusammen mit dem finanziellen Schutz und der Sicherheit einer Versicherungspolice bildet Resilienz die Grundlage eines ganzheitlichen Risikomanagements.  

Resilienz vor der Krise aufbauen 

Versicherer verfügen über umfassende Erfahrung sowohl im Risiko- als auch im Krisenmanagement. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, vermeidbare Schäden zu verhindern und die Folgen von Risiken zu beherrschen, die sich nicht vollständig vermeiden lassen. Kommt es trotz aller Vorkehrungen zu einer Störung, ist es unsere Aufgabe, deren Auswirkungen zu begrenzen und unseren Kunden dabei zu helfen, den Betrieb so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Die Qualität der Reaktion eines Unternehmens kann darüber entscheiden, ob ein schwerwiegendes Ereignis beherrschbar bleibt oder sich zu einer weitreichenden Krise entwickelt.  

Ein Beispiel verdeutlicht dies: Ein Unternehmen erhielt im Rahmen des Risk Consultings konkrete Empfehlungen zur Risikominderung. Diese blieben jedoch unberücksichtigt. Wenige Monate später kam es zu einem Großbrand. Der versicherte Schaden war erheblich, doch die Folgen reichten weit darüber hinaus: Mitarbeitende und die lokale Gemeinschaft waren betroffen, es kam zu Umweltschäden, und der Ruf des Unternehmens wurde schwer beeinträchtigt, was die Erholung des Unternehmens deutlich erschwerte und verteuerte. 

Dieses Beispiel verdeutlicht eine wichtige Erkenntnis über Resilienz. Sie ist keine Police, die im Regal liegt und erst hervorgeholt wird, wenn der Ernstfall eintritt. Prävention, gestützt auf fundiertes Risk Consulting und die Erkenntnisse moderner Daten- und Risikoanalysen, spielt seit langem eine zentrale Rolle dabei, wie Versicherer ihre Kunden unterstützen, Risiken zu erkennen und zu reduzieren. Verändert haben sich vor allem die Dringlichkeit und die Größenordnung der Herausforderungen: Resilienz muss von Beginn an mitgedacht und aufgebaut werden, lange bevor eine Krise eintritt. 

Für Vorstände und Führungsteams heißt das, die möglichen Auswirkungen von Risiken mithilfe realistischer Szenarioanalysen zu verstehen, gezielt in die Beseitigung von Schwachstellen zu investieren und Resilienz bei strategischen Entscheidungen mitzudenken. All dies muss geschehen, bevor eine Krise eintritt. Ziel ist es nicht nur, die Risiken des Unternehmens zu kennen, sondern auch zu wissen, wie widerstandsfähig die Organisation tatsächlich ist und wie wirksam sie auf Störungen reagieren kann. 

Risiken unternehmensweit in den Blick nehmen 

Resiliente Unternehmen wissen, dass sich nicht jedes Ereignis verhindern lässt. Deshalb analysieren sie potenzielle Auswirkungen von Störungen frühzeitig. Sie identifizieren Schwachstellen in Lieferketten und Betriebsabläufen und entwickeln geeignete Notfallmaßnahmen. 

Resilienz erfordert allerdings mehr als Analysen, Prozesse und Notfallpläne. Entscheidend ist auch die Kultur, mit der ein Unternehmen auf Unsicherheit und Veränderungen reagiert. Dafür braucht es Rahmenbedingungen, die Mitarbeitenden auch in Ausnahmesituationen Orientierung geben. Sie müssen flexibel reagieren, sich an veränderte Gegebenheiten anpassen und fundierte Entscheidungen treffen können. Meine Erfahrungen als Chief Underwriting Officer für Cyberrisiken und später als Global Chief Underwriting Officer bei AXA XL haben mir gezeigt, wie schnell sich eine Bedrohung in einem Bereich auf Geschäftsabläufe, Lieferketten und Märkte ausweiten kann. Kein Unternehmen kann jede denkbare Gefahr vorhersehen. Ebenso wenig kann es für die gesamte Bandbreite heutiger und künftiger Risiken eigenes Spezialwissen vorhalten. Und genau hier können wir unterstützen. 

Die Kombination aus interdisziplinärer Expertise und Risk Consulting hilft dabei, diese Lücke zu schließen. Unsere Teams beraten zu einer Vielzahl von Risiken, auch zu solchen, die für Unternehmen einer bestimmten Branche auf den ersten Blick nicht unmittelbar relevant erscheinen. Schließt ein Kunde beispielsweise eine Sachversicherung bei uns ab, können wir zusätzlich Perspektiven aus den Bereichen Political Risk & Credit, Mergers & Acquisitions, Klima sowie weiteren Spezialgebieten zurückgreifen. So lassen sich potenziell übersehene Risikofaktoren identifizieren und geeignete Maßnahmen ableiten. 

 AXA XL Risk Advisory unterstützt Unternehmen dabei, veränderte Risikoprofile frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen zu priorisieren. Dafür bündeln wir unser Risk Engineering und unsere Expertise zu traditionellen Sach- und Haftpflichtrisiken mit Erkenntnissen aus Corporate Intelligence, Cybersicherheit und Krisenmanagement sowie mit unserer Erfahrung im Schadenmanagement. So entsteht ein standort- und portfolioübergreifender Blick auf Risiken. Neue Risikosignale lassen sich im Kontext der jeweiligen Unternehmensaktivitäten einordnen. Gleichzeitig wird sichtbar, wo frühzeitiges Handeln die größte Wirkung entfalten kann. 

Auf vernetzte Risiken vorbereiten 

Der AXA Future Risks Report 2026 zeigt, dass die Risiken, die von Experten und der breiten Bevölkerung als besonders bedeutend eingestuft werden, eng miteinander verknüpft sind. Dazu zählen Klimawandel, geopolitische Instabilität, Cyberangriffe und künstliche Intelligenz. 

Bemerkenswert ist, dass 85 Prozent der Expertinnen und Experten sowie der Bevölkerung davon überzeugt sind, dass sich die besorgniserregendsten Risiken zumindest teilweise durch Präventionsmaßnahmen vermeiden lassen. 

Die COVID-19-Pandemie hat diese Vernetzung von Risiken deutlich vor Augen geführt: Was als Gesundheitskrise begann, wirkte sich innerhalb kürzester Zeit auf Geschäftsabläufe, Belegschaften und Lieferketten rund um den Globus aus. Sie zeigte eindrücklich, warum Unternehmen sich auf Risiken vorbereiten müssen, die traditionelle Zuständigkeits- und Funktionsgrenzen überschreiten. 

Cyberrisiken sind ein weiteres anschauliches Beispiel. Bedrohungen können sich innerhalb von Sekunden ausbreiten, während künstliche Intelligenz Geschwindigkeit und Tragweite von Angriffen zusätzlich erhöht. Das gilt jedoch nicht nur für Cyberrisiken. Wenn sich Risiken über verschiedene Unternehmensbereiche hinweg ausbreiten, wird die Fähigkeit, ihre Auswirkungen frühzeitig zu antizipieren und eine koordinierte Reaktion sicherzustellen, zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. 

Resilienz zur Führungsaufgabe machen 

Unternehmen organisieren ihr Risikomanagement in der Regel entlang von Funktionen. Für Bereiche wie Betrieb, Finanzen, Technologie, Lieferketten oder Reputation sind unterschiedliche Verantwortliche zuständig. Krisen halten sich jedoch nicht an solche organisatorischen Grenzen. 

Vorstände und Führungsteams spielen deshalb eine entscheidende Rolle dabei, die verschiedenen Risikosignale zusammenzuführen. Sie sollten sicherstellen, dass relevante Informationen funktionsübergreifend geteilt werden, Entscheidungen die möglichen Auswirkungen umfassend berücksichtigen und Verantwortlichkeiten klar definiert bleiben. 

Unternehmen, die Menschen, Geschäftsabläufe und ihre Reputation wirksam schützen, sind zudem besser aufgestellt, um wichtige Leistungen auch in schwierigen Situationen aufrechtzuerhalten. Sie können die Gemeinschaften und Volkswirtschaften, die auf sie angewiesen sind, weiterhin unterstützen und künftige Wachstumschancen mit Zuversicht verfolgen. Darin liegt der eigentliche Mehrwert von Prävention. 

Erst das Zusammenspiel von Risk Engineering, spezialisiertem Fachwissen, datenbasierten Erkenntnissen, Corporate Intelligence und Technologie sowie Erfahrungen aus Krisensituationen und der Schadenbearbeitung ermöglicht eine ganzheitliche Begleitung von Unternehmen über den gesamten Lebenszyklus eines Risikos hinweg. 

Indem wir diese Kompetenzen zusammenführen, helfen wir unseren Kunden, fundiertere Entscheidungen im Umgang mit Risiken zu treffen und ihre Resilienz in einer sich schnell wandelnden Welt nachhaltig zu stärken. 

 

 

 

 

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