Wie eine langjährige Partnerschaft der Otto Group hilft, sich zu transformieren und künftige Risiken zu managen
70 Jahre Versicherungspartnerschaft – dieses Jubiläum feiern die Otto Group und AXA in diesem Jahr und blicken damit auf eine Zusammenarbeit zurück, die den ambitionierten deutschen Handelskonzern auf seinem Weg zum multinationalen E-Commerce- und Logistikgiganten begleitet hat. Oliver Goede und Markus Posberg sprechen über den Mehrwert einer engen Zusammenarbeit und darüber, warum ein erfahrener Versicherungspartner für das Management künftiger Risiken unverzichtbar ist.
4. September 2026
Von Markus Posberg and Oliver Goede
Chief Underwriting Officer, Property, Construction & Energy, APAC & Europe, AXA XL and Geschäftsführer Hanseatic Versicherungsdienst GmbH, Otto Group
Herr Goede, die Otto Group zählt heute zu den führenden E-Commerce-Unternehmen Europas. Wie hat sich das Unternehmen über die Jahrzehnte zu dem entwickelt, was es heute ist?
Die Otto Group hat sich konsequent transformiert – nicht allein durch Wachstum, sondern durch die Fähigkeit, ihr Geschäftsmodell an veränderte Märkte, neue Technologien und gewandelte Kundenerwartungen anzupassen. Unser Gründer, Werner Otto, legte 1949 in Hamburg den Grundstein als Versandhandelsunternehmen, und dieser unternehmerische Geist prägt uns bis heute. Im Laufe der Jahrzehnte haben wir uns zu einem der größten Online-Händler Europas entwickelt, mit einem Umsatz von knapp 14 Milliarden Euro im Jahr 2025 und einer Präsenz in mehr als 20 Ländern – in den Bereichen Handel, Logistik und Finanzdienstleistungen. Dabei sind wir ein Familienunternehmen geblieben, das von dem Anspruch geleitet wird, einen Konzern zu gestalten, der über Generationen hinweg Bestand hat. Diese langfristige Perspektive ist der Kompass für unser Engagement in den Bereichen Nachhaltigkeit, Verantwortung und vorausschauendes Denken.
Welche Rolle spielt AXA XL als Versicherungspartner der Otto Group?
Ich bin im konzerneigenen Versicherungsbereich tätig, der Hanseatic Versicherungsdienst GmbH (HVD), die seit über 60 Jahren die Konzerngesellschaften in Fragen des Risikomanagements und der Versicherung berät. Als Inhouse-Broker koordinieren wir die Versicherungsprogramme des Konzerns und fungieren als zentrale Schnittstelle zum Versicherungsmarkt. Mit AXA XL als unserem wichtigsten Sachversicherungspartner arbeiten wir eng in der Programmgestaltung, der Risikoberatung und der Schadenverhütung zusammen. Diese Partnerschaft reicht rund 70 Jahre zurück. Heute ist AXA XL ein bedeutender Versicherungspartner in zahlreichen Sparten – insbesondere in der Sachversicherung, wo wir in der Risikoberatung und im Rahmen unseres multinationalen Versicherungsprogramms eng kooperieren.
Die Tatsache, dass diese Partnerschaft seit 70 Jahren Bestand hat, belegt, dass es sich um eine echte und wettbewerbsfähige Zusammenarbeit handelt. AXA hat unser Geschäft stets verstanden und uns mit bedarfsgerechtem Versicherungsschutz begleitet – insbesondere während der Transformation der Otto Group vom Versandhandelsunternehmen zum multinationalen digitalen E-Commerce- und Logistikkonzern. Wir stellen unsere Geschäftspartner immer wieder auf den Prüfstand, stets im Geiste gegenseitigen Respekts, und diese Partnerschaft hat sich dabei immer wieder bewährt.
Worin sehen Sie die wesentlichen Vorteile dieser langjährigen Partnerschaft?
Sie hat es uns ermöglicht, ein gemeinsames Verständnis von Risikomanagement zu entwickeln und kontinuierlich an Verbesserungen zu arbeiten. Technische Schadenverhütungsmaßnahmen in Warenlagern lassen sich nicht über Nacht umsetzen. Die langfristige Partnerschaft hat uns auch die Möglichkeit gegeben, den richtigen Zeitpunkt für die Integration unseres US-Geschäfts in unser globales multinationales Versicherungsprogramm zu finden. Das ist nur möglich, wenn beide Seiten Geduld aufbringen und eine langfristige Perspektive einnehmen.
Können Sie ein konkretes Beispiel für die Verbesserung Ihres Risikoprofils nennen?
Gemeinsam mit AXA XL haben wir ein neues Feuerlöschsystem für unsere Warenlager entwickelt und erprobt, das ohne die traditionell in Löschschäumen eingesetzten Chemikalien auskommt. Im Einklang mit den Nachhaltigkeitsgrundsätzen der Otto Group sind wir noch einen Schritt weitergegangen und haben das Risiko potenzieller Umweltschäden durch den Einsatz von reinem Wasser eliminiert.
Brandschutztests sind äußerst zeit- und kostenintensiv, aber wir führen sie gemeinsam mit AXA XL durch, um die Wirksamkeit des Systems zu optimieren und es gleichzeitig nachhaltiger zu gestalten. Das ist nur möglich, wenn man einen Versicherungspartner hat, der über fundierte Risikoberatungskompetenz, tiefes technisches Know-how und die Bereitschaft verfügt, Theorie in die Praxis zu überführen. Für uns als Kunde bedeutet eine langjährige Partnerschaft, dass wir von einem Versicherer profitieren, der unser Geschäft so gut kennt, dass er echten Mehrwert jenseits des klassischen Versicherungsschutzes schaffen kann.
Herr Posberg, welchen Nutzen zieht AXA XL aus der engen Partnerschaft mit einem Kunden wie der Otto Group?
Vertrauen entsteht nicht über Nacht, es wächst über Jahre gemeinsamer Arbeit. Und mit diesem Vertrauen wächst auch das Verständnis für die Risiken des Kunden, das wir brauchen, um wirklich maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln. Unsere Teams aus den Bereichen Risk Consulting, Underwriting und Claims kennen die Otto Group seit Jahrzehnten – von jedem einzelnen Standort bis in die technischen Details. Dieses Wissen versetzt uns in die Lage, aktiv dabei zu helfen, Schäden zu vermeiden, bevor sie entstehen.
Wir sehen dies jedoch nicht als einseitigen Prozess. Die Otto Group nimmt mit ihrem Risikoprofil und ihrer operativen Aufstellung eine besondere Stellung ein, und genau das macht die Zusammenarbeit für uns so wertvoll. Wir bringen unsere globalen Erfahrungen und aktuellen Erkenntnisse zu technischen Entwicklungen und klimabezogenen Risiken ein, lernen aber gleichzeitig von der Otto Group. Es ist ein kontinuierlicher Austausch, von dem beide Seiten profitieren.
Herr Goede, Sie erwähnten, dass die Otto Group ihre Partner auf den Prüfstand stellt. Wie äußert sich das konkret?
Wir sind ein anspruchsvoller Kunde und suchen stets nach wertschöpfenden Dienstleistungen. Nehmen wir das Thema Daten: sie spielen für unser Geschäft eine zentrale Rolle, und je länger man mit einem Partner zusammenarbeitet, desto größer ist das Potenzial, gemeinsam Informationen und Erkenntnisse zu generieren. Mit zunehmender Datenverfügbarkeit erhöhen sich jedoch auch die Maßstäbe, an denen wir unsere Versicherer messen. Deshalb brauchen wir einen globalen Partner, der in der Lage ist, uns auf Augenhöhe zu begleiten und uns bei der Weiterentwicklung unserer Anforderungen zu unterstützen.
Ich freue mich beispielsweise auf den Tag, an dem wir unsere Brandschutzanlagen virtuell testen können. Wir arbeiten derzeit an der Erstellung eines digitalen Zwillings unserer Warenlager. Das ist noch Zukunftsmusik, aber ich bin überzeugt, dass es bald Realität wird. Wenn es so weit ist, werden wir einen Risikomanagementpartner benötigen, der mit virtuellen Abbildern realer Risiken arbeiten kann und sicherstellt, dass unsere Modellierungen und Annahmen stets einen engen Bezug zur Realität behalten.
Herr Posberg, wie begegnet AXA XL den digitalen Anforderungen von Kunden wie der Otto Group?
Die Digitalisierung verändert nicht nur das Geschäftsmodell unserer Kunden, sondern auch die Art, wie wir als Versicherer arbeiten. Mit der AXA Digital Commercial Platform bieten wir unseren Kunden heute die Möglichkeit, ihre Risiken weltweit zu bewerten und zu steuern sowie ihre multinationalen Versicherungsprogramme und die damit verbundenen Informationen effizienter zu verwalten. Aufgrund des steigenden Interesses haben wir darüber hinaus eine eigene Plattform für digitale Zwillinge und Virtual Reality entwickelt, um Risiken zu modellieren, zu visualisieren und Schadenverhütungsmaßnahmen zu testen.
Die Otto Group hat beim Einsatz neuer Technologien stets eine Vorreiterrolle eingenommen und arbeitet gemeinsam mit AXA XL an der Erprobung und Weiterentwicklung neuer Systeme. Das setzt eine belastbare Partnerschaft voraus, in der das Feedback des Kunden ernst genommen wird und in die Weiterentwicklung einfließt. Genau hier entfaltet die Partnerschaft ihren Mehrwert für beide Seiten: durch Risikovermeidung, die Förderung von Innovation und die Entwicklung nachhaltigerer Lösungen.
Herr Goede, vor welchen gemeinsamen Herausforderungen sehen Sie die Otto Group und AXA XL in den kommenden Jahren?
Nachhaltigkeit und die Resilienz von Lieferketten bleiben für unser Geschäft von zentraler Bedeutung. Kunden erwarten hochwertige, nachhaltige Produkte zu einem attraktiven Preis. Im aktuellen Umfeld – geprägt von geopolitischer Instabilität, sich wandelnden Cyberrisiken und weiteren Herausforderungen in den Lieferketten – ist es unsere Aufgabe, Störungen für unsere Kunden zu vermeiden und potenzielle finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen zu begrenzen.
Mit Blick auf die Zukunft zeichnet sich ein starker Trend zur Digitalisierung ab. Unsere Partner müssen die nächste Transformationswelle verstehen, die Robotik und Automatisierung in Lagerhaltung und Logistik erheblich beschleunigen wird. Auch Agentic E-Commerce ist ein spannendes Zukunftsfeld: Kunden könnten künftig KI-Agenten einsetzen, die Einkäufe in ihrem Namen tätigen. Es wird daher entscheidend sein, einen verlässlichen, langfristig orientierten Versicherungspartner wie AXA XL an der Seite zu haben, der uns beim Eintritt in dieses neue Zeitalter der Digitalisierung, Automatisierung und künstlichen Intelligenz begleitet.
Herr Posberg, wie wird Automatisierung das Risikoprofil von Unternehmen verändern?
Investitionen in Automatisierung und Robotik werden die Versicherungswerte je Standort erhöhen und damit das Risiko für die Versicherungswirtschaft steigern. Die zunehmende Wertekonzentration und der Rückgang menschlicher Präsenz in automatisierten Anlagen werden die Anforderungen an automatische Brandmelde- und -löschanlagen weiter in den Vordergrund rücken. Der technische Fortschritt wird zwangsläufig neue Maßstäbe in der Schadenverhütung und im Versicherungsbereich setzen.
Ich bin überzeugt, dass genau hier die Stärke unserer gewachsenen Partnerschaft zum Tragen kommt. Wir alle stehen vor einer steilen Lernkurve – aber indem wir gemeinsam arbeiten und einander vertrauen, können wir uns kontinuierlich verbessern und gemeinsam anpassen.
Herr Goede, welchen Rat würden Sie Unternehmen geben, die in diesem sich wandelnden Risikoumfeld mit Versicherern zusammenarbeiten?
Mein Rat lautet: Wer eine langfristige Transformation gestaltet, sollte nicht auf kurzfristige Erfolge schielen. Wählen Sie den richtigen Partner, bauen Sie Vertrauen und Verlässlichkeit auf, und scheuen Sie sich nicht, einander herauszufordern. In einem sich verändernden Risikoumfeld sind jene Versicherungsbeziehungen am wertvollsten, in denen beide Seiten Erwartungen abstimmen, Wissen teilen und auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Nur so wird eine Partnerschaft belastbar genug, um Innovation zu fördern, Unsicherheiten zu managen und langfristig Wert zu schaffen.
Herr Posberg, ein abschließendes Wort zur 70-jährigen Partnerschaft?
Wir freuen uns darauf, unsere Partnerschaft mit der Otto Group fortzuführen. Wir haben ein junges Underwriting-Team, und ich bin zuversichtlich, dass es eines Tages das 100-jährige Jubiläum mit der Otto Group feiern wird. Ich bin überzeugt, dass wir diesen nächsten Meilenstein erreichen werden – denn unsere langjährige Partnerschaft mit der Otto Group gründet auf gegenseitigem Vertrauen, einer gemeinsamen Vision und geteilten Werten.
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