Rückversicherung

Die Luftfahrtindustrie ist einer von vielen Wirtschaftszweigen, die stark von den Auswirkungen der globalen COVID-19-Pandemie betroffen sind. Die Flotten mussten größtenteils am Boden bleiben und viele Fluggesellschaften sahen sich gezwungen, Personal in Kurzarbeit zu schicken oder zu entlassen. Mancherorts zeichnet sich in der Branche erstmals eine vorsichtige Erholung ab. Dzung Nguyen-Tu, Global Chief Underwriting Officer – Aviation and Space bei AXA XL, der kürzlich in das Exekutivkomitee der International Union of Aerospace Insurers berufen wurde, beschäftigt sich mit der Frage, wie Versicherer dazu beitragen können, dass Passagiere auch in Krisenzeiten fliegen können.

Sie wurden kürzlich in das Exekutivkomitee der International Union of Aerospace Insurers (IUAI) berufen. Wie ist die IUAI aufgestellt und wie kann eine solche Organisation dabei helfen, den Flugbetrieb am Laufen zu halten?

Die IUAI ist eine sehr wichtige Organisation für unsere Branche. Sie ist ein globales Gremium mit dem Ziel, die Interessen der Mitglieder gegenüber Regierungen sowie professionellen Institutionen und Verbänden zu vertreten. Es war eine große Ehre, ins Exekutivkomitee berufen zu werden. Die IUAI stellt auch Informationen und Forschungsergebnisse zur Verfügung, auf deren Grundlage Versicherer die Herausforderungen der Luft- und Raumfahrtindustrie und die Entwicklung der spezifischen Risiken besser nachvollziehen können, für die sie Lösungen bereitstellen muss. Einmal jährlich werden auf der Hauptversammlung die Ergebnisse der sieben Arbeitsgruppen vorgestellt und diskutiert (Airlines, Cyber- und neue Risiken, Allgemeine Luftfahrt, Hersteller, Produkthaftpflichtversicherungen und Flughäfen, Recht und Schaden, Risiken in der Raumfahrt). Obwohl die diesjährige Versammlung virtuell stattfand, war sie vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie besonders aufschlussreich.

Wie hat sich die COVID-19-Krise auf die Luftfahrt ausgewirkt und wie können Versicherer zum Wiederaufbau beitragen?

Die Reisebeschränkungen haben die Luftfahrtindustrie vor große finanzielle Herausforderungen gestellt. Auf dem Höhepunkt der Krise sind rund 95 % der Flugzeuge weltweit am Boden geblieben. Schätzungen zufolge erlitten die Fluggesellschaften im Jahr 2020 Umsatzverluste in Höhe von rund 500 Milliarden US-Dollar. Dies wird auf einen Einbruch der Passagierzahlen um mehr als 50 % zurückgeführt. Die Nettoverluste der Branche werden auf 85 bis 100 Milliarden US-Dollar geschätzt. Mit der allmählichen Lockerung der Beschränkungen wurde klar, dass das Verständnis der Ängste der Passagiere ein wichtiger Faktor für die Erholung der Branche sein wird. Die Befürchtungen drehen sich nicht unbedingt darum, sich auf einem Flug zu infizieren. Viele Passagiere sind besorgt darüber, was passieren würde, wenn sie kurz vor einer Reise erkranken und ihren Flug stornieren müssen. Oder wenn sie sich während einer Reise anstecken und länger bleiben oder im schlimmsten Fall zurückgeholt werden müssen.

Als Versicherer haben wir nach Möglichkeiten gesucht, ein sorgenfreies Reisen zu ermöglichen. Über AXA Partners bieten wir unseren Kunden in diesen schwierigen Zeiten Zugang zu medizinischer Versorgung und Unterstützung bei einer möglichen Rückführung.

Damit stoßen wir bei den Fluggesellschaften bereits auf großes Interesse.

Gibt es weitere Initiativen?

Die Einnahmeverluste der Fluggesellschaften im Zusammenhang mit der Betriebsunterbrechung durch COVID-19 waren über Standard-Luftfahrtpolicen nicht versichert. Obwohl sich die Luftfahrtversicherer einig sind, dass die Deckung einer Pandemie nicht vorhersehbar war, untersuchen wir die Möglichkeit zur Entwicklung eines globalen Pools zur Bereitstellung von Finanzmitteln für Fluggesellschaften, die von weiteren katastrophenbedingten Betriebsunterbrechungen betroffen sind. Bei einem solchen System muss berücksichtigt werden, dass die Airlines gegenwärtig unter erheblichen Liquiditätsengpässen leiden. Vor diesem Hintergrund müsste unter Beteiligung von Versicherern, Rückversicherern und Reisenden eine geeignete Finanzierungsmethode gefunden werden. Das wird derzeit bei der IUAI und auf nationaler Ebene mit den entsprechenden Versicherungsverbänden intensiv diskutiert. Dieses Projekt ist sehr ambitioniert! Es würde die Unterstützung und das Engagement der Regierungen brauchen, die den Plan billigen und als Sicherheitsnetz fungieren müssten. Aufgrund des globalen Charakters unserer Branche und der Industrie, die wir versichern, können wir darauf hoffen, dass sich früher oder später eine Lösung herausbilden wird.

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  • Global Chief Underwriting Officer, Aviation and Space
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