Vom Berater zum Co-Piloten – Risk Consulting weitergedacht
5. Februar 2026
Von Jonathan Salter & Maxime Ambourg
Jonathan Salter, Global Head of Risk Consulting & Maxime Ambourg, Head of Risk Consulting, APAC & Europe
Risiken treten nicht mehr isoliert auf. Klimaereignisse, Cyber-Vorfälle, geopolitische Spannungen und Lieferkettenunterbrechungen ereignen sich heute simultan, interagieren und verstärken sich gegenseitig. Was einst die Ausnahme war, ist mittlerweile zu einem strukturellen Merkmal unseres Umfelds geworden.
Diese Verschiebung verändert die Entscheidungsfindung grundlegend. Risiken entfalten sich nicht mehr sequenziell; sie kumulieren und führen zu Kaskadeneffekten. Strategien für Investitionen, Beschaffung und das Asset Management müssen sich heute mit einer Unsicherheit auseinandersetzen, die sowohl beständig als auch multidimensional ist.
In diesem Umfeld geht Risk Consulting weit über die isolierte Bewertung von Risikopositionen hinaus. Kunden suchen heute eine umfassende 360-Grad-Perspektive – einen Ansatz, der berücksichtigt, wie Risiken interagieren, sich entwickeln und sich im Zeitverlauf gegenseitig beeinflussen.
Durch die Kombination unserer hauseigenen Engineering-Expertise und tiefgreifenden Erfahrung bei Naturgefahren und Industrierisiken mit den Möglichkeiten der AXA Digital Commercial Platform im Bereich moderner raumbezogener Analysen und Data Science helfen wir Unternehmen zu verstehen, wie sich ihre Risiken verändern.
Dies ermöglicht die frühzeitige Identifizierung von Schwachstellen, unterstützt die proaktive Prävention und stärkt die Resilienz, lange bevor Versicherung ins Spiel kommt.
Risiko als dynamisches System statt als statische Momentaufnahme
Der erste Schritt ist Transparenz (Visibility) – nicht nur zu wissen, wo sich die Assets befinden, sondern zu verstehen, wie Gefahren, Schwachstellen und Abhängigkeiten im Zeitverlauf interagieren.
Dies beginnt weit vor dem Underwriting. Durch Risikoprüfungen vor Vertragsabschluss (sogenannte Pre-bind Assessments) wandelt unser globales Team von über 400 Risk Consultants operative Daten und Umweltdaten in fundierte Erkenntnisse um, die als präzise Entscheidungshilfe dienen. Dieser Ansatz optimiert die Risikoauswahl (Risk Selection) sowie das Portfoliomanagement und schafft eine gemeinsame, objektive Basis für die Schadenverhütung.
Ziel ist es, nicht nur die aktuellen Auswirkungen von Risiken zu bewerten, sondern auch zu antizipieren, wie sie sich künftig entwickeln könnten. Unter Einsatz neuer Technologien und der Tools der AXA Digital Commercial Platform führen wir eine prädiktive Dimension ein: Wir verfolgen, wie sich Risikopositionen (Exposures) innerhalb komplexer Portfolios verschieben, und ermöglichen unseren Kunden so fundiertere Entscheidungen bei der Kapitalallokation.
Risiko wird so zu einem System, das aktiv überwacht, kritisch hinterfragt und gesteuert werden kann, statt lediglich dokumentiert zu werden.
Von Transparenz zu Prävention: Gestaltung der Governance
Sobald Schwachstellen identifiziert sind, verschiebt sich die Fragestellung: Es geht nicht mehr um das „Ob“ des Handelns, sondern darum, an welcher Stelle Maßnahmen die größtmögliche Wirkung erzielen.
Prävention wird so zu einem Bestandteil der strategischen Governance. Sie liefert die Entscheidungsgrundlage dafür, wie Unternehmen Anlagen konzipieren, Assets schützen, Lieferketten organisieren und ihre Betriebskontinuität planen. Neue Standorte können bereits vor Baubeginn geprüft werden; bestehende werden basierend auf ihrem Beitrag zum Gesamtexposure priorisiert.
Klimaresilienz ist beispielhaft für diesen Wandel, aber auch Umweltrisiken wie Wasserknappheit und der Verlust an Biodiversität rücken ins Zentrum der Unternehmensstrategie. Es ist entscheidend, diese Faktoren bereits in den frühesten Phasen des Projektdesigns und der Investitionsplanung zu adressieren.
Die Ergebnisse sind oft zielgerichtet und praxisorientiert: die Verstärkung der Infrastruktur, die Anpassung von Layouts, Maßnahmen gegen Wasserknappheit oder das Vegetationsmanagement. Prävention wird so zum strategischen Hebel und ist weit mehr als eine rein technische Übung.
Diese Entwicklung definiert auch die Beziehung zwischen Versicherern und Unternehmen neu. Prävention fördert einen kontinuierlichen Dialog über Assets, Prozesse und Interdependenzen. Sie prägt die strategische Risko-Governance weit über die jährlichen Erneuerungsrunden (Renewals) hinaus.
Technologie nutzen, um vorherzusehen und zu verhindern
Da Risiken immer stärker vernetzt sind, benötigen Unternehmen Tools, die mehr leisten als nur die Quantifizierung der Exponierung; sie müssen auch in der Lage sein, Unsicherheiten zu bewerten. Dies gilt sowohl für etablierte Industrierisiken als auch für neu aufkommende Bedrohungen.
Um dies zu adressieren, entwickelt die AXA Digital Commercial Platform fortschrittliche Analysemodelle für zentrale Risikobereiche. Diese Modelle integrieren Künstliche Intelligenz, Geodaten, IoT-Daten, wissenschaftliche Forschung sowie die operative Expertise unserer Risk Consulting Teams. Unterstützt wird dies durch eine gruppenweite digitale Infrastruktur, die dabei hilft, Erkenntnisse aus der Praxis zu einer einheitlichen Risikoperspektive zu bündeln.
Für das Feuerrisiko können sogenannte digitale Zwillinge detaillierte 3D-Modelle von Industriestandorten erstellen, um Schwachstellen zu identifizieren und Schutzsysteme zu testen. Satellitenbilder und KI ermöglichen die Fernbewertung von Naturkatastrophen und Klimarisiken, wodurch kritische Bereiche lokalisiert und Präventionsmaßnahmen auch bei begrenztem Zugang gesteuert werden können. Wasserrisiken werden mit stochastischen Tools modelliert, um Knappheit, Qualitätsaspekte und Überflutungen über Jahre hinweg zu prognostizieren und langfristige Investitionsentscheidungen zu unterstützen.
Jenseits der Technologie sind Engineering-Expertise und Fachwissen entscheidend, um relevante Daten zu identifizieren, präzise Modelle zu erstellen und Ergebnisse zu interpretieren. Letztlich suchen Kunden nicht nach einer größeren Datenmenge; sie wünschen sich klare Empfehlungen, um komplexe Risiken in strategisches Handeln zu übersetzen.
Die neue Ära des Risk Consulting
In einer Welt, in der Gefahren immer schneller aufeinanderfolgen und enger miteinander vernetzt sind, ist Risk Consulting keine bloße Support-Funktion mehr, sondern eine strategische Kernkompetenz. Sie befähigt Unternehmen, die Transparenz zurückzugewinnen, Maßnahmen zu priorisieren und Unsicherheiten souverän zu begegnen.
Aufbauend auf langjähriger Expertise in den Bereichen Engineering und Industrie und erweitert durch moderne Analyseverfahren sowie gemeinsame digitale Infrastrukturen, integrieren wir schrittweise umfassendere Risikodimensionen in unsere Präventions- und Prognosemodelle.
Unser Ziel ist es nicht, jedes denkbare Szenario zu modellieren. Vielmehr wollen wir Entscheidern dabei helfen, die bedeutendsten Risikopositionen ihrer Organisation zu verstehen, zu identifizieren, wo Prävention die größte Wirkung entfaltet, und zu erkennen, wie heutige Entscheidungen künftige Risikoprofile beeinflussen.
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