Rückversicherung

Von

Jon Elvidge, Practice Leader, Energy & Construction für Casualty Risk Consulting & Dr. Markus Kälin, Leiter Casualty Risk Consulting International

Bereits kurz nachdem die ersten Unternehmen die Entwicklung der 5G-Netztechnologie ankündigten, begannen auch Gerüchte über die Gefahren von 5G-Netzen umherzuschwirren. Medienartikel deuteten an, dass das durch die 5G-Technologie verursachte elektromagnetische Feld das Risiko bestimmter Krebserkrankungen erhöhen würde und eine der extremeren Behauptungen war, dass die 5G-Technologie tatsächlich COVID-19 verursacht habe!

Im Laufe der Zeit wurde ein Großteil der Gerüchte über die angebliche Gefahr der durch Mobiltelefone erzeugten elektromagnetischen Felder durch eine Reihe wissenschaftlicher Berichte entkräftet, und es wird nicht erwartet, dass sich die durch 5G erzeugten elektromagnetischen Felder deutlich von diesen unterscheiden. Die Forschung dauert jedoch an und es ist dennoch richtig, dass einige Aspekte der Technologie Risiken für einige Menschen und auch für Unternehmen mit sich bringen könnten, während die Welt auf Industrie 4.0 und das industrielle Internet der Dinge umsteigt.

Was steckt hinter 5G?

Die 5G-Technologie ist eine Technologie der fünften Generation für Mobilfunknetze, die schnellere Datenübertragung und eine größere Netzwerkkapazität bietet. Dieses Potenzial ergibt sich im Wesentlichen aus der Frequenz, mit der 5G betrieben wird. Obwohl 5G-Netze auch – analog zur bisherigen Mobilfunktechnologie – im Bereich von 600 MHz bis 6 GHz betrieben werden können, ergeben sich die wesentlichen Vorteile aus den höheren Frequenzen (bis ca. 80 GHz), da diese die größere Bandbreite oder Datenübertragungsfähigkeiten bieten. Diese Frequenzen liegen jedoch noch deutlich im nicht-ionisierenden Teil des elektromagnetischen Spektrums.

Die Technologie ermöglicht somit höhere Download-Geschwindigkeiten und, was noch wichtiger ist, eine deutlich reduzierte Latenz – die Zeit, die für die Übertragung von Datenpaketen zu und von Geräten benötigt wird. Zu den Vorteilen von 5G gehören auch eine höhere Zuverlässigkeit und die Möglichkeit, mehr Personen oder Geräte gleichzeitig zu verbinden, ohne das Netzwerk zu überlasten.

Bei allem, was es bietet, sollte 5G keine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit der Benutzer mit sich bringen. Zahlreiche Forschungsstudien und Peer Reviews haben durchgängig gezeigt, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen Handynutzung und Gesundheitsschäden inkl. Krebs gibt, was bei 5G voraussichtlich nicht anders sein sollte. Auch wenn Mobiltelefone bereits seit den frühen 1990er Jahren und in der Vergangenheit vorwiegend für Telefongespräche genutzt (und damit gegen den Kopf gehalten) wurden, lassen epidemiologische Studien auf keine diesbezüglichen Probleme schließen.

Forscher werden weiterhin mögliche Zusammenhänge zwischen 5G-Technologie und körperlichen Schädigungen untersuchen, da es immer noch viele Unsicherheiten gibt. Gegenwärtig wird es jedoch als unwahrscheinlich angesehen, dass künftige Forschungsarbeiten Neues gegenüber den heutigen Erkenntnissen aufdecken werden.

Dennoch ist Vorsicht geboten, wie die jüngsten Gerichtsentscheidungen in den USA bei anderen Industrien gezeigt haben. Aus der Tatsache, dass die Wissenschaft keinen kausalen Zusammenhang zwischen einem Produkt oder einer Dienstleistung und Gesundheitsschäden annimmt, folgt nicht zwangsläufig, dass sich ein Gericht dieser Einschätzung anschließt.

Auch wenn mit der 5G-Technologie sicherlich neues Haftungspotenzial verbunden ist, ist zu beachten, dass diese Risiken durch die verbesserten Möglichkeiten, die die Technologie mit sich bringt, und die anschließende Reduzierung der Risiken in anderen Bereichen ausgeglichen werden könnten.

Die realen Risiken

Dennoch birgt 5G einige Risiken für Unternehmen. Während Schadenersatzansprüche von Handynutzern im Zusammenhang mit der 5G-Nutzung unwahrscheinlich sind, gibt es andere Bereiche, die ein Schadenpotenzial bergen könnten:

Gesundheitsschäden

Da die Frequenz höher ist als bei der bestehenden Mobiltelefontechnologie, sind mehr Sendemasten erforderlich. Diese Antennen werden in städtischen Gebieten errichtet, manchmal auf Straßen- oder Dachhöhe. Antennen können aus ästhetischen Gründen oder zur Erfüllung lokaler Anforderungen verdeckt oder in andere Anlagen und Strukturen eingebaut werden oder sich neben anderen Anlagen befinden. Bestimmte Berufsgruppen wie Gerüstbauer, Maler, Klimatechniker usw. könnten unbeabsichtigt eine starke Strahlendosis erhalten, wenn sie sich häufig zu nah an einer Netzwerkantenne aufhalten. Während die Leistungspegel von 5G-Antennen mit höherer Frequenz niedriger sein sollten als bei herkömmlichen Mobiltelefonmasten, sind Verletzungen durch thermische und nicht-thermische Auswirkungen von Strahlung durch die Nähe zur Antenne möglich, was zu Ersatzansprüchen der Betroffenen führen könnte.

IoT-Risiken

Die tatsächlichen Auswirkungen einer solchen Gefährdung müssen erst noch ermittelt werden, doch eines ist sicher: 5G erhöht die Menge der elektronisch übermittelten Daten, einschließlich sicherheitskritischer Daten. Dies kann zu erhöhten Haftpflicht- und Cyberrisiken führen.

Einer der Hauptvorteile der 5G-Technologie besteht darin, dass sie die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) verbessern und eine bessere intelligente Technologie in der Fertigung und anderen Branchen ermöglichen wird. Datenübertragungen in Echtzeit werden dabei helfen, die Entwicklung autonomer Fahrzeuge voranzutreiben und die drahtlose Übertragung sicherheitskritischer Daten in Raffinerien, Pipelines, petrochemischen Komplexen und anderen Hochrisikoanlagen zu beschleunigen.

Doch mit der zunehmenden Geschwindigkeit und Effizienz gehen auch Risiken einher. Während Redundanzen und Sicherheitsmaßnahmen sicherlich in die Technologie integriert werden, könnte der Verlust oder die Beschädigung wichtiger Daten zunehmend zu Verletzungen, Sachschäden oder Umweltverschmutzung führen. Darüber hinaus könnte jede signifikante Erhöhung des sicherheitskritischen Datenflusses das Potenzial für Schadenfälle durch Cyber-Angriffe erhöhen.

Auch wenn die 5G-Technologie sicherlich neues Haftungspotenzial birgt, darf nicht vergessen werden, dass diese Risiken durch die verbesserten Möglichkeiten, die die Technologie für Unternehmen mit sich bringt, und die anschließende Reduzierung der Risiken in anderen Bereichen ausgeglichen werden könnten. Die Einführung autonomer Fahrzeugtechnologien beispielsweise kann die Produkthaftungsrisiken in bestimmten Bereichen erhöhen, sie kann aber auch zu einer erheblichen Reduzierung der Kfz-Haftungsansprüche führen.

Wenn Sie in Betracht ziehen, 5G-Technologie in Ihrem Geschäftsbetrieb einzusetzen, stellen Sie sicher, dass Sie die neuen Risikobereiche aus öffentlicher, Produkt- und Cyberhaftungsperspektive identifizieren und mindern, insbesondere dann, wenn die neue Technologie für sicherheitskritische Anwendungen eingesetzt werden kann. Arbeiten Sie außerdem mit einem Versicherer zusammen, der die neuen Risiken versteht, die der Einsatz der 5G-Technologie mit sich bringt.

Chancen für Unternehmen

Während sich die Geschäftsmodelle weiterentwickeln, verbessern neue Technologien zunehmend die Produktivität, Effizienz und die Geschwindigkeit bis zur Markteinführung. Wenn sich die 5G-Technologie durchsetzt, wird sie als kritisches Element zur Verbesserung der Rentabilität und Kommunikation zwischen allen Anwendungen im Betrieb dienen. Doch zugleich geht dies mit potenziellen Risiken einher. Indem Sie darauf achten, welche Risiken und Chancen 5G für Ihr Unternehmen bergen kann, bereiten Sie sich auf diese wichtige technische Entwicklung vor und können sicher sein, dass Ihr Unternehmen von den Vorteilen profitieren und seine Ergebnisse verbessern kann.

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