Rückversicherung
Anne Marie Elder

Von

Global Chief Underwriting Officer – Marine

Laut Definition ist "Stolz" ein Gefühl tiefer Befriedigung, das aus den eigenen Leistungen gewonnen wird. Es ist ein Gefühl von Selbstvertrauen und Selbstachtung. Stolz kann sich aber auch auf andere beziehen. Wir können stolz auf die Leistungen derer sein, die uns nahestehen. Ich habe das große Glück beides zu erleben.

Ich bin sehr stolz auf das, was ich in meiner Karriere, meinem Privatleben und als Teil der LGBTQ+ Gemeinschaft erreicht habe. Gleichzeitig bin ich unglaublich stolz auf meine Kolleginnen und Kollegen sowie andere Verbündete, die sich unabhängig von unserer sexuellen Orientierung die Zeit nehmen, zuzuhören, zu lernen und für gleiche Rechte einzutreten. Ich hatte das Glück, für ein Unternehmen zu arbeiten, das Wert auf unsere Vielfalt legt – eine hervorragende Unterstützung. Leider kämpfen viele andere in der LGBTQ+ Gemeinschaft immer noch darum, diese Unterstützung zu finden.

Zusätzliche Unterstützung ist herzlich willkommen

Wer meine Geschichte kennt, weiß, dass ich in meiner Zeit bei der US Merchant Marine Academy (USMMA) über meine sexuelle Orientierung schweigen musste.  In den 1980er Jahren, als ich die Academy besuchte, war meine sexuelle Orientierung ein Entlassungsgrund. Die "don't ask, don't tell" Politik des Militärs trat erst 1993 in Kraft. Offen schwulen, lesbischen und bisexuellen Männern und Frauen ist es erst seit 2011 erlaubt, im US-Militär zu dienen. Und erst in diesem Jahr erweiterte das Militär seine Akzeptanz der LGBTQ+ Gemeinschaft durch die Aufhebung des Transgender-Verbots.

Nach meinem Abschluss dauerte es noch 14 Jahre, in denen ich in der Transportversicherungsbranche arbeitete und eine gesundheitliche Kriese mit meiner Frau durchlebte,  bis ich an den Punkt kam, offen mit meinen Kolleginnen und Kollegen darüber zu sprechen, dass ich lesbisch bin. Über meine Erfahrungen an der USMMA und mein Coming-out habe ich bereits in "Becoming a leader and bridging the gap between personal and professional" geschrieben. Die Unterstützung durch meine Kolleginnen und Kollegen machte mein Coming-out zu einer positiven Erfahrung.

Leider fühlen sich auch noch 15 Jahre später viele Menschen, darunter auch solche wie ich, die unserem Land im Militär dienen, nicht wohl dabei, ihr wahres Ich zu offenbaren. Transgender-Personen fühlen sich dabei besonders verletzlich. Im vergangenen Jahr gab es 44 Transgender-Opfern in den USA, das tödlichste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.

Während einige der in den letzten zehn Jahren in Bezug auf LGBTQ-Rechte gemachten Fortschritte unschwer zu erkennen sind, ist noch ein großer Teil des Weges zu gehen. Derzeit debattiert der US-Kongress über das Gleichstellungsgesetz (Equality Act), das die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität verbieten soll. Gleichzeitig sind viele bundesstaatliche Gesetzgeber bestrebt, Schutzmaßnahmen zurückzunehmen. Darunter sind auch einige, die auf ein Verbot von Transgenderrechten drängen.

Es ist offensichtlich, warum die LGBTQ-Gemeinschaft mehr denn je Verbündete braucht. Verbündete haben einen großen Einfluss auf die Beseitigung von Ungleichheiten in der Vergangenheit gehabt und werden auch weiterhin eine wichtige Kraft bei der Erhaltung der LGBTQ-Gleichberechtigung sein.

Die Rolle des Unternehmens 

Erfreulicherweise wächst die Zahl an Verbündeten weiter an. Dies kann, zumindest was meine persönlichen Erfahrungen angeht, teilweise auf die zunehmende Unterstützung durch Unternehmen zurückgeführt werden. Immer mehr Unternehmen erkennen die Vorteile einer vielfältigeren Belegschaft. Als Teil von Inklusions & Diversitäts-Programmen haben viele Unternehmen, darunter auch AXA XL, sogenannte Business Resource Groups (BRGs) ins Leben gerufen. Es handelt sich hierbei um von Mitarbeitenden geführte freiwillige Gruppen, die sich um gemeinsame Interessensgebiete oder Anliegen kümmern und die Förderung eines vielfältigen und integrativen Arbeitsplatzes vorantreiben. Bei AXA XL konzentrieren sich unsere aktuellen BRGs auf die Themen Leadership, Rasse und Ethnizität, die LGBTQ+ Gemeinschaft und Menschen mit Beeinträchtigungen. Noch vor fünf Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass wir jemals solche offenen Gespräche wie jetzt führen.

An einer kürzlich von unserer BRG „PRIDE“ (Stolz) durchgeführten virtuellen Veranstaltung zum Thema Transgender haben 350 Kolleginnen und Kollegen teilgenommen. Diese wählten sich freiwillig ein, um mehr zu erfahren. Solche Veranstaltungen und die kollektiven Bemühungen der BRG-Mitglieder haben eine entscheidende Rolle beim Aufbau der Unterstützung für LGBTQ+ Themen gespielt. Dies kommt vor allem dadurch, dass wir uns alle wohler fühlen, wenn wir über die Themen sprechen, mit denen die LGBTQ+ Gemeinschaft konfrontiert wird.

Im Laufe der Jahre habe ich gesehen, dass sich Kolleginnen und Kollegen immer sicherer fühlen, wenn sie über diese Themen sprechen. Es ist ihnen nicht unangenehm, über meine Frau oder den Ehemann eines schwulen Kollegen zu sprechen. Ich werde zu Gesprächen eingeladen, die ich früher gemieden habe.

Drei Eigenschaften von starken Verbündeten am Arbeitsplatz

Damit weitere Fortschritte gemacht werden können und der aktuelle Schutz aufrechterhalten bleibt, ist es wichtiger denn je, LGBTQ+ Verbündete(r) zu sein. Ein solcher Verbündeter ist jemand, der sich nicht als LGBTQ+ identifiziert, jedoch LGBTQ+ Personen und Gemeinschaften unterstützt. Verbündeter zu sein, geht über die Akzeptanz hinaus. Es geht auch darum, zuzuhören, zu handeln und zu ermutigen.

Hier sind drei Eigenschaften, die ich bei meinen Verbündeten am Arbeitsplatz am meisten schätze:

  1. Sie hören zu und ermutigen: Einige Mitglieder der LGBTQ+ Gemeinschaft finden Unterstützung in ihren Familien, andere wiederum haben dieses Glück nicht. Die Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen kann ein entscheidender Faktor sein. Jemanden zu unterstützen, erfordert oft keine außergewöhnlichen Maßnahmen. Zuhören ist jedoch ein großer Teil davon. Teammitglieder einfach mal nach dem Wochenende zu fragen, kann sehr bestätigend und ermutigend sein. Bei mir selbst war dies zum Beispiel der Grund für mein erstes Outing auf der Arbeit. Während meine Frau gegen den Krebs kämpfte, litt ich sehr darunter, nicht offen über ihre Gesundheit sprechen zu können. Als ich es schließlich tat, verurteilten mich meine engsten Kolleginnen und Kollegen nicht, sondern unterstützten mich und erkundigten sich nach meiner Frau. Im Laufe der Jahre habe ich gesehen, dass die Kolleginnen und Kollegen sich immer wohler fühlen, wenn sie über LGBTQ+ Themen sprechen. Es ist ihnen nicht unangenehm, über meine Frau oder den Ehemann eines schwulen Mannes zu reden. Ich werde zu Gesprächen eingeladen, die ich früher gemieden habe. Je mehr wir uns gegenseitig auf diese Gespräche einlassen, desto vertrauter und sicherer werden wir im Umgang miteinander.

  2. Sie setzen sich für uns ein: Starke Verbündete investieren Zeit und Arbeit, um sich über die Themen und Anliegen der LGBTQ+ Gemeinschaft zu informieren. Daher ist es für mich so erhebend, wenn sich 350 Kolleginnen und Kollegen einem Aufruf zur Transgender-Sichtbarkeit anschließen. Gute Verbündete nehmen sich die Zeit, den Sichtweisen, Botschaften und Anliegen der LGBTQ+ Gemeinschaft zuzuhören, um zu erfahren, wie sie am besten unterstützen können. In den USA feiern wir zum Beispiel im Juni den Pride-Monat. Dieser erinnert an die Stonewall-Aufstände, die im Juni 1969 stattfanden. Soziale Unruhen sind sicherlich keine neue Erscheinung. Die Stonewall-Aufstände waren eine Reihe von Demonstrationen der LGBTQ+ Gemeinschaft als Reaktion auf eine Polizeirazzia im Stonewall Inn im New Yorker Stadtteil Greenwich Village. Die Aufstände gelten weithin als Anstoß für die Schwulen- und Lesbenrechtsbewegung. Seitdem begeht die LGBTQ+ Gemeinschaft den Jahrestag mit Pride-Veranstaltungen im ganzen Land, und viele Verbündete schließen sich uns an. Wie wir an den jüngsten Gesetzesdebatten sehen können, ist die LGBTQ+ Gleichstellung weiterhin ein politisch „heißes Eisen“. In naher Zukunft wird es wahrscheinlich noch mehr Gelegenheiten geben, Bedenken oder Enttäuschung gegenüber den Regierungsvertretern zu äußern, die Maßnahmen ergreifen, die darauf abzielen, Errungenschaften zurückzudrehen. Zu wissen, dass andere außerhalb der LGBTQ+ Gemeinschaft ihre Stimmen für uns erheben, ist beruhigend und ermutigend.

  3. Sie sind respektvoll: Die LGBTQ+ Gemeinschaft ist nur allzu vertraut mit negativen Kommentaren. Wir haben schon viel zu viele gehört.  Ermutigung kann viel dazu beitragen, langfristiger Negativität entgegenzuwirken. Verbündete können eine Menge tun, um LGBTQ+ Personen im Kollegium zu unterstützen, indem sie einfach da sind und ihre Meinung sagen. Es könnte hilfreich sein, die Verwendung von unangemessener und respektloser transphober oder homophober Sprache zu hinterfragen. Denn selbst in der heutigen Zeit versuchen einige am Arbeitsplatz, abwertende Sprache als Scherz abzutun. Es ist respektlos, und angesichts der anhaltenden Gewalt gegen einige Mitglieder der LGBTQ+ Gemeinschaft definitiv nicht lustig. Abwertende Sprache kann erniedrigend sein und Menschen verunsichern. Die Verwendung der richtigen Sprache kann hingegen eine große positive Wirkung haben. Da viele ein größeres Verständnis für die Geschlechtsidentität entwickelt haben, haben einige Verbündete eine Anpassung bei der Verwendung von Pronomen vorgenommen. Nach den Pronomen einer Person zu fragen und sie korrekt zu verwenden, ist ein Zeichen von Respekt.

Starke Verbündete am Arbeitsplatz haben einen großen Einfluss auf mich gehabt. Während wir uns um den Schutz und die Gleichbehandlung aller Mitglieder der LGBTQ+ Gemeinschaft bemühen, wird die Unterstützung von starken Verbündeten zweifellos einen großen Unterschied ausmachen und positive Veränderungen bewirken, auf die wir alle stolz sein können.

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