Rückversicherung

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Chief Underwriting Officer Marine, APAC & Europe bei AXA XL

Die Expertinnen und Experten der Transportversicherungsbranche trafen sich diesen Monat zur virtuellen Konferenz der «International Union of Marine Insurance (IUMI)». Die Reduzierung der Treibhausgas- und CO2-Emissionen stand ganz oben auf der Agenda der Veranstaltung unter dem Titel "Wege zu einer nachhaltigen, widerstandsfähigen und innovativen Zukunft". Mathieu Daubin, Chief Underwriting Officer Marine, APAC & Europe bei AXA XL äussert sich zu dieser Herausforderung und der Rolle, die Risikomanagement und -transfer dabei spielen. 

Leinen los für umweltfreundlichere Containerschiffe

Wie in vielen anderen Bereichen der Weltwirtschaft ist die Reduktion von CO2-Emissionen eine der wichtigsten Herausforderungen für die globale Marine- und Transportindustrie. Deshalb stand das Thema und die Frage, wie der Risikotransfer zur nachhaltigen Verminderung der Treibhausgasemissionen beitragen kann, ganz oben auf der Agenda, als sich Vertreter der Transportversicherungsindustrie zu ihrer virtuellen Jahreskonferenz trafen.

Seetransporte spielen eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft - etwa 80 % des internationalen Warenverkehrs werden über den Seeweg abgewickelt. Nach Schätzungen der Europäischen Union und anderer Expertengremien ist der Transport per Schiff für etwa 2,5 % bis 3 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.  

Sowohl in der Transportbranche als auch auf der globalen politischen Bühne werden Schritte unternommen, um Lösungen zur Reduktion dieser Emissionen zu finden. 

Im Rahmen der bevorstehenden COP26-Klimagespräche im November in Glasgow, Schottland, wird die Branche dazu eine eigene Veranstaltung durchführen: Zum Thema "Shaping the Future of Shipping" werden führende internationale Transport- und Klimaexperten zusammenkommen, um die großen Herausforderungen zu diskutieren, denen sich die Branche auf dem Weg zur geforderten Klimaneutralität stellen muss.

Politischer Druck

Die Europäische Kommission hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2050 innerhalb der EU klimaneutral unterwegs zu sein und als Zwischenziel wird bis 2030 eine Reduktion der Treibhausgasemissionen von mindestens 55 % angestrebt. Um diese Ziele zu erreichen, richtet die Europäische Kommission ihre Aufmerksamkeit nun auch auf die Seeschifffahrt.

Im Juli nahm die Europäische Kommission eine Reihe von Gesetzesvorschlägen an, in denen sie darlegt, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Einer dieser Vorschläge sieht vor, dass die Schifffahrt in den EU-Kohlenstoffmarkt, das sogenannte ‘Emission Trading System (ETS)’, aufgenommen wird. Im Rahmen dieses EU-Emissionshandels, von dem die Schifffahrt bisher ausgenommen war, müssen die Verursacher für jede erzeugte Tonne CO2  zahlen. 

Das ETS gilt bereits für andere Wirtschaftszweige wie Energieversorger, Produzenten und Luftfahrt. Die Europäische Kommission schlägt nun vor, die Schifffahrt schrittweise über einen Zeitraum von drei Jahren in das System zu integrieren. Demnach würde das ETS für Emissionen aus Seereisen innerhalb der EU gelten sowie für 50 % aller Emissionen aus internationalen Fahrten, die in der EU beginnen oder enden und auch für Emissionen beim Anlegen in EU-Häfen.

Der Vorschlag stieß bei der Internationalen Schifffahrtskammer jedoch auf Vorbehalte. Ihr Generalsekretär Guy Platten wies darauf hin, dass das Emissionshandelssystem nur 7,5 % der weltweiten Schifffahrtsemissionen abdecken würde und eine Abgabe ein wirksamerer Weg zur Reduzierung der CO2-Emissionen sein könnte. Trotzdem muss die Branche mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, in nicht allzu ferner Zukunft zur Teilnahme am Emissionshandelssystem verpflichtet zu werden – auch wenn es mehrere Jahre dauern wird, bis der Vorschlag der Europäischen Kommission von den Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament ratifiziert ist.

Neben der Planung von internationalen und politischen Initiativen zur Verringerung der globalen Treibhausgasemissionen sehen sich die Transporteure – wie viele andere Unternehmen auch – mit der Herausforderung ihrer eigenen Interessengruppen konfrontiert, praktikable Wege zur Erfüllung von eigenen Nachhaltigkeitszielen zu finden.

Klimaneutrale Containerschiffe

In den letzten Wochen hat der globale Reedereiriese Maersk eine Investition von 1,4 Milliarden Dollar in acht neue klimaneutrale Containerschiffe angekündigt. Das erste dieser neuen Schiffe soll im ersten Quartal 2024 in Betrieb genommen werden. Die älteren Schiffe sollen nach und nach ersetzt werden. Diese Investition soll zu CO2-Einsparungen von jährlich rund 1 Million Tonnen beitragen.

Laut Maersk sei dieser Schritt Teil der Zusammenarbeit mit seinen Kunden, die sich verpflichtet haben, entlang der Wertschöpfungskette entstehende Emissionen zu reduzieren. Von den 200 größten Kunden von Maersk hätten sich mehr als die Hälfte ehrgeizige wissenschaftlich fundierte oder kohlenstoffneutrale Ziele für ihre Lieferketten gesetzt. 

Die neuen Schiffe werden mit kohlenstoffneutralem E-Methanol oder nachhaltigem Bio-Methanol betrieben. Im offiziellen Communiqué wies Maersk darauf hin, dass die Beschaffung ausreichender Mengen dieser Treibstoffarten eine potenzielle Herausforderung darstelle. Man werde eng mit der Transportbranche zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass genügend Treibstoff zur Verfügung stehe.

Die Rolle der Versicherer

Der Versicherungsbranche kommt eine wichtige Rolle zu, wenn es darum geht, die Transportkunden bei der Umsetzung ihrer Ziele zur Reduzierung der Treibhausgas- und CO2-Emissionen zu unterstützen. 

Eine entsprechende Risikoanalyse der Konstruktion dieser neuen, mit innovativen Kraftstoffarten betriebenen Schiffe ist ein Ansatzpunkt. Sobald Underwriter und Risikoingenieure in der Lage sind, datengestützte Erkenntnisse über diese Schiffe zu generieren und zu bewerten, wird es möglich sein, passgenaue Risikotransferlösungen zu entwickeln, die dem veränderten Risikoprofil gerecht werden.

Allgemein sind wir der Meinung, dass die Transportversicherungsbranche die einmalige Chance hat, Kunden bei der Offenlegung und dem Benchmarking von Emissionen zu unterstützen sowie Wege zur Erfüllung von Reduktions- und Klimazielen zu finden. Die Versicherungsbranche verfügt über jahrhundertelange Erfahrung in der Versicherung von Schiffen und hat Zugang zu Risikoinformationen, Daten und Instrumenten zur Beurteilung von Klimarisiken, datengestützten Risk-Engineering-Reports und Fachwissen über Risikomodellierung und -management.

Zusammenkünfte wie die IUMI-Konferenz bieten unserer Branche die Möglichkeit, gemeinsam die Herausforderungen zu diskutieren, mit denen die Transportindustrie bei der Umsetzung von Emissions- und Nachhaltigkeitszielen konfrontiert ist. Sie bieten uns auch Gelegenheit, nach Lösungen zu suchen, wie der internationale Transportversicherungsmarkt Kunden bei der Erreichung dieser Ziele unterstützen kann.

Obwohl ich leider nicht persönlich zur Konferenz nach Seoul reisen konnte, habe ich mich über die virtuelle Möglichkeit gefreut, Ideen auszutauschen und zielführende Diskussionen über eines der wichtigsten Themen unserer Zeit zu führen.

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