Rückversicherung

Überhitzung, Überlastungen oder drohendes Bauteilversagen an elektrischen Anlagen und Geräten. Welches Schadenpotenzial könnte eine Infrarot-Inspektion in Ihrem Betrieb aufdecken?

Von

Marine Manager

In jedem Industrieunternehmen ist die Aufrechterhaltung eines störungsfreien Betriebs von größter Bedeutung. Auch für Versicherer ist es gleichermaßen wichtig, mögliche Schadenpotentiale frühzeitig zu erkennen, bevor sie große Schäden verursachen. Der Einsatz von Infrarot- oder Wärmebildtechnologie kann Unternehmen und Versicherern bei der Identifikation von Risiken helfen, bevor sie zu potenziell hohen Schäden führen.

Infrarot-Technologie ist nicht neu. Die erste Erwähnung von Infrarot-Wellenlängen stammt aus dem Jahr 1800. Sir William Herschel entdeckte als Astronom bei König Georg III. von England damals die Grundlagen für die spätere Entwicklung von Infrarot-Bildgebungstechniken.

Heute wird Infrarottechnik in vielen Bereichen eingesetzt: Im Gesundheitswesen zur Diagnose, bei Polizeieinsätzen zur nächtlichen Verfolgung von Verdächtigen, bei Wetterstationen zur Vorhersage und Beobachtung von Stürmen und in Überwachungssystemen zur Bereitstellung detaillierter Bilder.

Auch die kommerzielle Nutzung von Infrarot-Technologie ist weit verbreitet. Viele Industriezweige nutzen Wärmebildgebung als Teil ihrer Prüfungsverfahren. Häufig werden bei der Inspektion von Häusern, Dächern, Fenstern, Baustellen und Fertigungsanlagen Wärmebildkameras und -scanner eingesetzt.

Einer der am weitesten verbreiteten Anwendungsbereiche der Infrarot-Technologie liegt in Industrieunternehmen. Sie können sie zur Überwachung von Anlagen und zur vorbeugenden Wartung einsetzen. Ein Wärmebild eines Bauteils oder einer Schaltanlage beispielsweise kann auf potenziell gefährliche Wärmeentwicklung, Leckagen oder Materialermüdungen aufmerksam machen.

Funktionsweise

2019 überstieg der weltweite Umsatz für Infrarotkameras 6 Milliarden US-Dollar – ein Markt, der bis 2026 voraussichtlich jährlich um 7 Prozent wachsen wird. Insbesondere im Bereich der Wetterforschung und -vorhersage und der Überwachungstechnik wird die Technologie ständig verbessert und vorangetrieben. Sie dient z.B. der Lokalisierung von Wasserschäden, Wärmeverlusten und Dachundichtigkeiten.

Infrarot-Technologie hat sich bewährt und ist zu einem wichtigen Werkzeug geworden, um Gefährdungen besser und frühzeitiger zu erkennen. Inspektionen können berührungslos und dadurch sicher durchgeführt werden und es können Maßnahmen eingeleitet werden, bevor ein Schaden überhaupt eintritt.

Mithilfe der infraroten Lichtanteile können Oberflächentemperaturen gemessen und damit Wärmequellen erkannt werden. Ein entsprechender Sensor, der auf ein Objekt gerichtet wird, kann die Länge der Lichtwellen aufnehmen, die bei Wärmeabgabe entstehen. Diese Signale werden in Wärmebilder umgewandelt und so kann z.B. eine Schaltanlage bildlich dargestellt werden. Das Bild zeigt dem Nutzer, wie die Wärme verteilt wird und wo ggf. Hotspots auftreten.

Solche Hotspots zeigen dem Nutzer, wo außergewöhnlich hohe Wärme auftritt, die durch Überhitzung eines Bauteils auf ein Gefährdungspotential hinweisen. Die Daten können wichtige Rückschlüsse darauf geben, wo in einem Unternehmen Gefahren drohen und ggf. genauere Überwachungen oder Maßnahmen notwendig sind. Durch angepasste Wartungsintervalle etwa, können Ausfälle und Schäden reduziert und oft sogar vermieden werden.

Deshalb werden Infrarot-Analysen auch von Risikoträgern positiv bewertet und entsprechend honoriert.

Infrarot-Technologie ist ein wichtiges Instrument zur Schadenprävention – für Versicherungsnehmer und Versicherer.

Schadenprävention mit Infrarot (IR)

Ein gutes Beispiel ist ein bei AXA XL versicherter Asphalthersteller. Wie üblich, haben wir im Zuge der Vertragserneuerung unsere Risikoingenieure mit der Prüfung der Standorte des Kunden im Hinblick auf Risikopotenziale und auch deren Managementprogramme, wie die Wartung und Instandhaltung, beauftragt.

Ein Ergebnis dieser Untersuchungen war, dass die Schadenanfälligkeit durch Verbesserungen der Wartung & Instandhaltung mit Hilfe von IR-Untersuchungen erheblich verbessert werden kann. Wir haben den Kunden bei der Umsetzung unserer Empfehlung unterstützt und mit unserer Hilfe konnte ein zuverlässiger Dienstleister gefunden werden, der die Prüfungen schnell und effizient durchführen konnte. Schon während der ersten Untersuchungen an den Anlagen wurden mehrere Hotspots identifiziert.

Jeder Mangel wurde dokumentiert und nach Dringlichkeit klassifiziert, von

  • „akuten / kritischen“ Mängeln, deren Beseitigung umgehend erforderlich ist, über
  • „gravierende“ Mängel bis hin zu
  • „Hinweisen / entstehenden Mängeln“, die bei der nächsten planmäßigen Abschaltung berücksichtigt werden sollten

Innerhalb weniger Stunden wurden die schwerwiegenden Mängel identifiziert, dokumentiert und abgestellt.

In einem Fall war ein Leistungsschalter mit rund 150 °C über dem zu erwartenden Normalwert erheblich überhitzt. In einem anderen Fall betrug die Temperaturabweichung nur 21° C. Hier wurde empfohlen, dieses Bauteil bei der nächsten planmäßigen Abschaltung zu überprüfen.

Diese ersten IR-Untersuchungen haben unseren Kunden auf ein größeres Problem aufmerksam gemacht, welches durch einen Elektriker schnell zu beheben war. Aufgrund der guten Erfahrungen hat sich unser Kunde anschließend eine eigene IR-Kamera zugelegt und seine Mitarbeitenden entsprechend geschult. So können sie selbst diese wichtigen Untersuchungen in ihre Wartungs- und Instandhaltungsprogramme einfließen lassen.

Die Folgen hätten in diesem Fall für den Kunden katastrophal sein können.

Es wären erhebliche Umsatzverluste durch Betriebsunterbrechungen, unerwünschte öffentliche Aufmerksamkeit und unter Umständen Schadenersatzansprüche Dritter zu erwarten gewesen. Die Investition hat sich hier sofort bezahlt gemacht.

Große Einsparungen bei geringen Investitionskosten

Das Einsparpotenzial geht über die Vermeidung von Schäden hinaus. Der Einsatz von Infrarot-Inspektionen kann nicht nur dazu beitragen, potenzielle Probleme zu finden, sondern auch bestätigen, dass es keine inhärenten Risiken gibt, die zu einem Ausfall oder Brand führen könnten. So können zustandsbezogene Wartungen und Instandhaltungen optimiert, Verfügbarkeiten von Anlagen erhöht und teure Stillstände vermieden werden, die ggf. nicht versichert wären.

Für Industrieversicherer ist die Risikoeinschätzung immer mit dem ausreichenden Wartungs- und Instandhaltungsprogramm eines Versicherungsnehmers verknüpft. Die IR-Prüfungen spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Diese Kriterien werden bei der Risikoauswahl und auch bei der Ermittlung der Prämie berücksichtigt. Ein Betrieb mit einem guten Wartungs- und Instandhaltungsprogramm kann also auch hier Kosten senken.

Für uns als AXA XL steht allerdings im Vordergrund, dass unsere Kunden mit der IR-Technologie ein wichtiges Instrument zur Risikoidentifikation haben und dieses zur Schadenvermeidung nutzen, so dass ihre Anlagen über viele Jahre zuverlässig sind und betriebsbereit bleiben.

Hier drei thermografische Scans von einer Infrarotprüfung, bei der Hotspots gefunden wurden:

thermal imaging example

Erhöhter Widerstand an einem 400 A-Hauptschalter führt zu einer Temperatur bis zu 266° C aufgrund einer losen oder oxidierten Klemmverbindung. Akuter Fehler / Kritischer Mangel, der einige sofortige Reparaturmaßnahmen erfordert.

thermal imaging example

Haupttrennschalter mit 118°C-Hotspot aufgrund loser oder oxidierter Klemmen an den Sicherungen. Gravierender Mangel, der baldmöglichst Reparaturmaßnahmen erfordert.

thermal imaging example

Hauptschaltschrank mit 101°C-Hotspot aufgrund einer losen oder oxidierten Verbindung. Entstehender Mangel, für den Reparaturmaßnahmen während der nächsten planmäßigen Abschaltung erforderlich sind.

 

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