Rückversicherung
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Zum Start in ihrer Rolle als Global Chief Underwriting Officer Cyber Direct & Indirect bei AXA XL beschreibt Sophie Farhane aus ihrer Sicht, welche Schlüsse sich aus dem vergangenen Jahrzehnt für die Zukunft der Cyberversicherung ziehen lassen.

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Global Chief Underwriting Officer Cyber Direct & Indirect bei AXA XL

Der Markt für Cyberversicherungen ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewachsen, professioneller und reifer geworden – und hat seinen Zweck geschärft. Diese Entwicklung gibt Hinweise darauf, wie wir Unternehmen in den nächsten zehn Jahren vorbereiten, schützen und beim Wiederanlauf nach einem Cyberangriff unterstützen können.

Cyber rückt in den Mittelpunkt

Als ich meine Karriere im Schadenbereich begann, wurde Cyber oft als Ergänzung zu Standardpolicen gesehen, besonders in Europa. 

Eine Reihe von Angriffen in den Jahren 2016 und 2017 – bekannt als Petya, NotPetya und WannaCry – betraf weltweit Hunderttausende Computer und veränderte die Sicht auf das Risiko grundlegend. Diese Ereignisse waren ein Weckruf: Sie machten deutlich, dass Cyberangriffe systemische Risiken darstellen können, die viele Unternehmen zeitgleich treffen und Verluste bis zur Existenzgefährdung auslösen.

Steigendes Bewusstsein für Cyberrisiken

In der Folge bewerteten viele Unternehmen ihre Cybersicherheit neu. Deutlich wurde, dass jede Organisation verwundbar sein kann – und dass Cyberangriffe neben finanziellen Folgen auch Marken- und Reputationsrisiken bergen. Zuvor war es oft schwierig, kleine und mittlere Unternehmen für Gespräche über den Nutzen einer Cyberversicherung zu gewinnen. Viele sahen darin vor allem eine zusätzliche finanzielle Belastung und hielten sich für zu klein, um ins Visier von Angreifern zu geraten.

Mit der steigenden Häufigkeit und Schwere der Angriffe wurde jedoch deutlich, dass sich Unternehmen jeder Größe mit Cyberversicherung befassen müssen.

Kunden brauchen einen Partner über den gesamten Prozess hinweg

Nach WannaCry folgte eine Welle von Schadenfällen. In dieser Zeit habe ich viel gelernt. Ich betreute große wie kleine Unternehmen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen. Für manche kleinere Kunden war ihr Betrieb Lebenswerk und einzige Einkommensquelle. Neben fachlicher Unterstützung und Rat brauchten sie auch Empathie.

Bei AXA XL sprechen Kunden im Cyber-Schadenfall durchgängig mit derselben Person – ein fester Ansprechpartner, der sie durch den gesamten Prozess führt. Das ist ein zentraler Bestandteil unseres Angebots und macht in einer der stressigsten Phasen des Berufslebens einen spürbaren Unterschied. Kunden müssen sich gehört und unterstützt fühlen.


„Cyberkrieg ist längst mehr als ein theoretisches Szenario.“

KI ist sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance für die Cyberversicherung

Der Einsatz künstlicher Intelligenz schafft neue Möglichkeiten für Versicherer und Kunden – und vergrößert zugleich das Risikopotenzial. Angreifer nutzen KI, um Volumen und Effizienz ihrer Attacken zu steigern. Wir wiederum setzen KI ein, um Risiken früher zu erkennen, Bedrohungen zu überwachen und schneller zu reagieren.

In den Anfängen der Cyberversicherung haben wir Kundenrisiken überwiegend ausschließlich per Fragebogen beurteilt und versichert. Heute streben wir ein ganzheitliches Bild des Kunden an und reichern unsere Risikoanalyse unter anderem mithilfe von Scans an.

Cyberrisiken verändern sich kontinuierlich – parallel dazu vertiefen wir unser Verständnis und entwickeln Deckungen und Services weiter. AXA XL gehört zu den ersten Versicherern, die eine Deckungserweiterung für Generative KI eingeführt haben. Diese erweitert den Schutz um spezifische Risiken, die entstehen können, wenn Unternehmen eigene Gen‑KI‑Modelle entwickeln.

Eine Zukunft mit neuen Bedrohungen und Lösungen

Die Cyberversicherung wird sich in den nächsten zehn Jahren weiterentwickeln, um veränderten Anforderungen gerecht zu werden. Neben KI rücken weitere Risiken und Chancen in den Blick.

Die zunehmende Vernetzung der Welt stärkt Unternehmen, schafft aber zugleich neue Verwundbarkeiten. Vor diesem Hintergrund ist die Polykrise für alle Kunden ein großes Thema, und Cyberkrieg ist längst mehr als ein theoretisches Szenario. Entsprechend stellen wir systemische Risiken in unseren Risikobewertungen in den Vordergrund. Ein großer Cloud-Ausfall könnte zum Beispiel weitreichende, globale Folgen haben.

Unsere Cyber-Risk-Consultants sind darauf spezialisiert, diese sich wandelnden Risiken frühzeitig zu erkennen und einzuordnen. Dieses Wissen nutzen wir, um unsere Arbeitsweise zu verbessern und Kunden mit konkreten Empfehlungen bei der Risikominderung zu unterstützen.

Resilienz entsteht durch Zusammenarbeit. Deshalb ist regelmäßiger Austausch zwischen Versicherern, Rückversicherern, Maklern und Kunden wichtig, um koordiniert auf die sich wandelnde Bedrohungslage reagieren zu können.

Wenn ich auf mehr als ein Jahrzehnt in der Cyberversicherung zurückblicke, kann ich sagen: Kein Tag gleicht dem anderen – und die nächsten zehn Jahre werden wohl noch interessanter. Indem wir Organisationen bei der Prävention unterstützen, tragen wir dazu bei, die digitale Welt sicherer zu machen.


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