Rückversicherung

Während der Welt weitere Monate der Unsicherheit bevorstehen, rechnen Risikomanager mit größeren Herausforderungen bei den anstehenden Erneuerungen ihrer Versicherungs- und Rückversicherungsverträge. Viele beabsichtigen, ihre bestehenden Captives auszuweiten oder neue zu gründen, um den Auswirkungen des sich verändernden Versicherungsmarkts entgegenzuwirken und dem Wandel ihres eigenen Risikoprofils Rechnung zu tragen.

Schon vor der globalen COVID-19-Pandemie hörten wir häufig, dass Risikomanager darüber nachdenken, mehr Risiko – sowohl im Hinblick auf das Volumen als auch auf die versicherten Sparten – in Captive-Programme zu übertragen. In diesem neuen, noch nie dagewesenen Umfeld sind diese Überlegungen umso relevanter.

Die Pandemie und ihre makro- und mikroökonomischen Auswirkungen haben zu höheren Prämien und engeren Konditionen geführt – eine Entwicklung, die vorher schon auf dem traditionellen Markt zu beobachten war. Zudem hat COVID-19 vielen Unternehmen gezeigt, dass sie für ein solches Ereignis nicht ausreichend geschützt sind. Darüber hinaus suchen viele Kunden nach Möglichkeiten, neue und schwer zu platzierende Risiken auf unternehmenseigene Versicherungen zu übertragen.

Captives können neben einer gewissen Preisstabilität auch die Möglichkeit bieten, besondere oder neu auftretende Risiken effizient abzusichern. Zudem können die Daten, die Captives über einige dieser nicht-traditionellen Risiken sammeln, enorm hilfreich für die Identifikation von Bereichen sein, in denen Prozessanpassungen zu einer verbesserten Risikosteuerung führen oder der Versicherungsschutz präziser auf das spezifische Risiko abgestimmt werden muss.

Ein weiterer Vorteil für Unternehmen, die einen Teil ihrer Risiken in einer Captive absichern, besteht darin, dem Versicherungsmarkt zu zeigen, dass die Interessen von Versicherungsnehmer und Versicherer deckungsgleich sind. Es wird also deutlich, dass der Kunde bestrebt ist, das Risiko zu steuern und zu reduzieren. Dies macht ihn wiederum für den Versicherungsmarkt viel attraktiver und kann dazu führen, dass Gesellschaften mit einer Captive im Hinblick auf Prämien und Konditionen vorteilhafter behandelt wird.

Eine Captive bedeutet auch mehr Transparenz für den Risikomanager in Bezug auf die eigenen Kosten – eine wertvolle Gesprächsgrundlage im Dialog mit der Geschäftsleitung und dem Finanzmanagement.

Zunehmendes Interesse

Schon vor Beginn der globalen COVID-19-Krise haben viele unserer Kunden neben der Nutzung von traditionellen Versicherungs- und Rückversicherungsprogrammen ihre Captives ausgebaut.

Hierfür und für das Interesse an Captives gibt es mehrere Gründe. Je mehr Risiken beispielsweise in einer Captive gedeckt sind, desto größer ist das Prämienvolumen, wenn ein großer, unerwarteter Schaden eintritt. Auch die Diversifizierungsvorteile einer Versicherung mehrerer Geschäftsbereiche in einer Captive haben das Interesse an einer Ausweitung geweckt. Diversifizierung bietet nicht nur Vorteile für das Risikomanagement, sondern kann auch dazu führen, dass die Eigenkapitalanforderungen für Captives, die in den Geltungsbereich von Solvency II fallen, weniger streng ausfallen.

Da Kunden mit neuen und sich verändernden Risiken konfrontiert sind, sehen wir, wie sie nach neuen Möglichkeiten suchen, diese mithilfe ihrer Captives zu übertragen und zu steuern. Beispielsweise arbeiten wir mit unseren Kollegen von AXA Climate zusammen, um parametrische Lösungen für einige der Risiken unserer Kunden zu entwickeln.

Kommunikation und Transparenz

Wenn Kunden ihre Captives in größerem Umfang nutzen wollen, sind Transparenz und ein offener Risiko-Dialog der Schlüssel zu ihrem Erfolg.

Eine klare Kommunikation zwischen allen Beteiligten – u.a. Kunde, Makler, Berater, Captive Manager und Fronting-Versicherer – ist unerlässlich, um die optimale Lösung für die Risiken des Kunden zu finden.

Darüber hinaus können Versicherer dem Risikomanager eine realistische Einschätzung zur Preisgestaltung geben und ein hochwertiges Schadenmanagement bieten.

Die COVID-19-Pandemie hat Einschränkungen in Bezug auf die Bewegungsfreiheit der Menschen und Veränderungen in der Art und Weise mit sich gebracht, wie wir arbeiten, kommunizieren und uns „treffen“. Dennoch ist es für Captive-Eigentümer weiterhin von entscheidender Bedeutung, Wege zu finden, Wissen und Ideen mit den bereits genannten Beteiligten auszutauschen.

Virtuelle Veranstaltungen und Diskussionsforen können Risikomanagern wertvolle Einblicke in Trends und Herausforderungen geben. Workshops, Umfragen und Berichte können bei der Entscheidungsfindung helfen und Risikomanager mit allen wichtigen Informationen und Argumenten für den Dialog mit der Geschäftsleitung ausstatten.

Auch wenn wir uns vorerst nicht persönlich treffen können, ist es wichtig, weiter miteinander zu sprechen, während viele Captives in neue und spannende Phasen ihrer Entwicklung eintreten.

  • Über den Autor
  • Regional Director, Captives & Global Programs, Asia & Europe
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