Rückversicherung
Claims
Risk Consulting
Ressourcen & Tools
Pressemitteilungen
Kontakt

Aufgrund der Auswirkungen eines sich ändernden Versicherungsmarktes, die durch die weltweite COVID-19-Pandemie noch verstärkt werden, suchen Versicherungs- und Rückversicherungskunden zunehmend nach alternativen Lösungen. Wie diese Lösungen für Eigentümer unternehmenseigener Versicherungsgesellschaften – sogenannter Captives – funktionieren können, erklärt Rob Turner. Er ist Chief Underwriting Officer und Global Head of Structured Risk Solutions bei AXA XL.

Captive-Eignern stehen verschiedene Strategien und Optionen zur Verfügung, wenn es darum geht, wie sie im aktuellen Marktumfeld den potenziellen Wert ihrer Risikoträger am besten maximieren können.

Eine Reihe von Faktoren könnte Versicherungsnehmer dazu veranlassen, die Risikoübernahme durch ihre Captive zu erhöhen. Dazu gehören Prämienerhöhungen, höhere Selbstbehalte und einige Änderungen der Geschäftsbedingungen auf dem traditionellen Versicherungsmarkt.

Für viele Unternehmen bietet die Selbstversicherung eine Möglichkeit, Prämienerhöhungen auf dem traditionellen Markt auszugleichen. Durch Steigerung des Prämienvolumens ermöglichen Captives ihren Eigentümern, die innerhalb der gesamten Unternehmensgruppe gehaltenen Underwriting-Gewinne zu erhöhen. Dies kann für eine Captive nicht nur zu einem signifikanten Wachstum in Bezug auf Prämien und Risikoeigentragung führen, sondern durch Absicherung zusätzlicher Versicherungssparten auch zur verbesserten Risikostreuung beitragen.

Eine weitere Motivation für Captives, ihr Engagement auszudehnen, liegt in der Absicherung von Risiken, für die der traditionelle Markt Deckungseinschränkungen vorsieht. In der Vergangenheit breit gefasste Deckungen, die mit geringen Selbstbehalten zu historisch attraktiven Preisen angeboten wurden, sind im sich verhärtenden Marktumfeld möglicherweise nicht mehr verfügbar. Captives können daher von höheren Prämien und strengeren Bedingungen des aktuellen Marktes profitieren und/oder dem Mutterunternehmen Kosteneffizienz und Versicherungsumfänge bieten, die am konventionellen Versicherungsmarkt nicht mehr zu finden sind.

Neue Ausschlüsse können Versicherungskunden zudem zur Prüfung veranlassen, ob ihre Captives möglicherweise bei der Übernahme bestimmter Risiken auf Mehrjahresbasis sinnvoll eingesetzt werden können. Möglich wäre dies beispielsweise, indem Captive Gesellschaften höhere Anteile der Versicherungsrisken ihrer Mutterunternehmen mit deutlich erhöhten Prämien zeichnen oder jene Risikobereiche absichern, für die auf dem traditionellen Markt keine Deckung mehr erhältlich ist.

Die Übernahme größerer Risiken ist mit einigen Herausforderungen verbunden. So könnten auf Captives erhöhte Kapitalanforderungen zukommen, um potenzielle Großschäden oder die Steigerung der jährlichen Risikovolatilität aufzufangen. Wenn es deshalb für das Mutterunternehmen erforderlich wird, zusätzliches Kapital zuzuschießen, reduziert sich womöglich der Vorteil der Nutzung einer Captive.

Aus einer regelmäßigen jährlichen Budgetierungsperspektive betrachtet könnte daher ein signifikantes Wachstum, insbesondere über einen kurzen Zeitraum, für die Captive mit Nachteilen verbunden sein.

Eine mögliche Option für Captives, nachhaltigeres Wachstum zu erreichen, ist der Abschluss mehrjähriger strukturierter Rückversicherungs- oder Retrozessionsverträge auf Basis eines alternativen Risikotransfers. Zum Beispiel könnten jährliche Risikospitzen, die durch große Einzelereignisse oder aggregierte Verluste verursacht werden, durch einen drei- bis fünfjährigen Rückversicherungsvertrag mit einem jahresübergreifenden Gesamtlimit und Prämien vermieden werden. Solche Konstrukte sehen oftmals eine Gewinn- und Risikoteilung mit dem Rückversicherer vor.

Derartige Lösungen können einer Captive insbesondere dabei helfen, einen Teil ihres Kapitals zu reduzieren oder anderweitig einzusetzen, das sie ohne eine solche mehrjährige strukturierte Rückversicherungsunterstützung vorhalten müsste.

Strukturierte Lösungen können Captives auch dabei helfen, ihrem Eigentümer – möglicherweise anfänglich niedrige – Sub-Limite für Risiken anzubieten, die von Versicherern im Allgemeinen nicht oder zumindest nicht zu einem akzeptablen Preis angeboten. Hierzu können z.B. Reputationsrisiken oder auch Betriebsunterbrechungen ohne vorhergegangene Sachschäden („Non-physical BI“) gehören. Die anfänglich geringen Sub-Limite könnten dann im Laufe der Zeit erhöht werden, wenn die Captive Erfahrung und aussagekräftige Daten in Bezug auf solche Risiken sammelt.

Gleiches könnte für andere nicht-traditionelle Risiken gelten. Wenn Sonderdeckungen über einen Zeitraum von mehreren Jahren mit konventionellen Sach-, Haftpflicht- und Financial Lines- Risiken gemischt werden, könnten diese möglicherweise eher handhabbar werden, als wenn sie als separates Risiko auf Jahresbasis gezeichnet würden.

Es gibt auch andere Mechanismen und Lösungen von (Rück-)Versicherern auf dem Markt für alternativen Risikotransfer. Mit Blick auf die Zukunft wird es interessant sein zu sehen, inwieweit sowohl Captives als auch Unternehmenskunden nach alternativen Lösungen in Kombination mit normalen Versicherungsabschlüssen suchen, um den Nutzen und die potenziellen Vorteile aus ihren Risikominderungsstrategien zu maximieren.

  • Über den Autor
  • Chief Underwriting Officer und Global Head of Structured Risk Solutions
Ihr Vorname
Ihr Nachname
Länderauswahl
E-Mail-Adresse
Invalid Captcha
 

Weitere Artikel