Rückversicherung
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CUO für APAC & Europe

Europa profitiert von einem stabilen Markt für Unternehmensversicherungen, der von ausreichender Kapazität, intensivem Wettbewerb und hoher Risikoexpertise geprägt ist. Gleichzeitig sorgen veränderte Wettermuster, generative KI und die zunehmende geopolitische Fragmentierung für neue Unsicherheiten. Hochwertige Risikodaten und ein enger Austausch zwischen Versicherern, Maklern und Risikomanagern gewinnen daher weiter an Bedeutung.

Ein stabiler Markt steht vor neuen Schadenentwicklungen

Seit dem letzten Zusammentreffen der Risikomanager in Madrid haben sich die Bedingungen auf den Rückversicherungsmärkten verbessert. Dadurch sind Kapazitäten und Wettbewerb in weiten Teilen des europäischen Versicherungsmarktes gestiegen.

Besonders intensiv ist der Wettbewerb im Bereich der Sachversicherungen. Auch europäische Haftpflichtrisiken stoßen auf zunehmendes Interesse der Versicherer, und die Kapazitäten in den Bereichen Financial Lines und Cyber bleiben breit verfügbar. Für Unternehmen, die über wirksame Risikokontrollen verfügen und ihre Risikoprofile transparent darstellen können, bietet dieses Marktumfeld die Chance, Versicherungsschutz stärker auf ihre individuellen Bedürfnisse zuzuschneiden.

Differenzierter fällt das Bild in Segmenten aus, in denen die Schadenbelastung weiterhin hoch ist. In der Flottenversicherung führen steigende Reparaturkosten und höhere Entschädigungszahlungen sowohl in Europa als auch in den USA zu anhaltendem Druck. Auch Haftpflichtprogramme mit erheblichem US-Bezug stehen weiterhin unter besonderer Beobachtung. Laut Marathon Strategies wurden gegen Unternehmen in den USA im Jahr 2025 in 190 Fällen sogenannte „Nuclear Verdicts“ mit Schadenersatzsummen von mindestens 10 Millionen US-Dollar verhängt – ein Rekordwert und ein Anstieg von 40,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zunehmende Volatilität ist auch in den Specialty Lines zu beobachten. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten beeinflusst weiterhin Risiken in den Bereichen Transportversicherung, Luftfahrt sowie politische Gewalt. In den Financial Lines ziehen die Prämien für D&O-Versicherungen nach fast drei Jahren rückläufiger Entwicklung wieder an. Hintergrund sind steigende Insolvenzzahlen, US-Wertpapier-Sammelklagen, Cybervorfälle sowie KI-bezogene Schadenfälle.

Klimaextreme stellen die Widerstandsfähigkeit auf die Probe

Auch wenn die versicherten Schäden durch Naturkatastrophen im ersten Halbjahr 2026 unter dem Durchschnitt lagen, wurde in diesem Zeitraum eine Rekordzahl an Ereignissen mit versicherten Schäden von jeweils mehr als einer Milliarde US-Dollar verzeichnet. Gleichzeitig waren anhaltende Hitze und Trockenheit prägende Merkmale des Sommers. In Westeuropa wurde für den Zeitraum Juni bis Juli die höchste kombinierte Durchschnittstemperatur seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Anhaltende Dürreperioden und extreme Hitze begünstigten zudem die Ausbreitung und Intensivierung von Waldbränden in Europa, wobei Spanien und Frankreich besonders stark betroffen waren.

Diese Entwicklungen verdeutlichen die wichtige Rolle von Versicherern bei der Unterstützung von Unternehmen, sich auf veränderte klimatische Bedingungen und deren Auswirkungen vorzubereiten. Die Schadenregulierung bleibt ein zentraler Bestandteil des Versicherungsgeschäfts. Gleichzeitig können Versicherer ihre Kunden dabei unterstützen, Risiken bereits vor Eintritt eines Schadens zu reduzieren. Durch die Kombination von Klimadaten, Schadenanalysen und spezialisierter Risikoexpertise lassen sich Präventions- und Anpassungsmaßnahmen gezielter identifizieren, um Schäden zu vermeiden und die Resilienz zu stärken.

Auf dieser Grundlage können Unternehmen kritische Vermögenswerte, betriebliche Abhängigkeiten und Investitionen mit dem größten Einfluss auf ihre Widerstandsfähigkeit gezielter priorisieren.

Cyber- und KI-Risiken entwickeln sich rasant weiter

Der Cyberbereich zeigt beispielhaft, wie schnell sich Risikoprofile verändern können. Zwar hat ein verbessertes Risikomanagement dazu beigetragen, Schäden durch Ransomware bei versicherten Unternehmen besser unter Kontrolle zu bringen. Gleichzeitig verändern leistungsfähige KI-Modelle die Bedrohungslandschaft grundlegend. Sie könnten künftig unbekannte Schwachstellen identifizieren und ausnutzen, den Zeitraum zwischen der Entdeckung und Ausnutzung von Sicherheitslücken verkürzen, die Einstiegshürden für weniger erfahrene Angreifer senken und zunehmend autonome Angriffsketten ermöglichen.

Die wachsende Nutzung von KI-Agenten in Unternehmen schafft zusätzliche Risiken. Dazu zählen unbeabsichtigte Zugriffe auf sensible Daten, unsichere Verbindungen zu externen Anwendungen sowie Handlungen ohne ausreichende menschliche Kontrolle. Dadurch gewinnen umfassende Tests, wirksame Zugriffssteuerungen, kontinuierliche Überwachung und die schnelle Behebung von Schwachstellen weiter an Bedeutung. Gleichzeitig steigt das Potenzial für schneller eintretende und stärker korrelierte Schäden.

Daraus ergibt sich für Risikomanager eine wichtige Koordinierungsaufgabe. Sie müssen Cyber-, Technologie- und operative Perspektiven zusammenführen, um zu bewerten, wie der Einsatz von KI das Risikoprofil ihres Unternehmens verändert.

Die jüngste gemeinsame Analyse von AXA XL und Thales unterstreicht, dass Cyber-Resilienz längst nicht mehr ausschließlich eine technische Fragestellung ist. Sie zeigt, wie wichtig Transparenz über digitale Vermögenswerte und Abhängigkeiten, eine stärkere Steuerung von Drittparteirisiken, eine mit der technologischen Entwicklung Schritt haltende KI-Governance sowie eine krisenfeste Führung sind.

Gleichzeitig können die Technologien, die neue Risiken schaffen, Versicherern und Unternehmen dabei helfen, Risiken besser zu verstehen und wirksamer zu steuern.

Bessere Daten und KI ermöglichen fundiertere Risikobewertungen

Dieser Marktzyklus unterscheidet sich von früheren Phasen auch durch die Verfügbarkeit und Granularität von Risikodaten sowie durch die Fähigkeit von KI, diese in großem Umfang auszuwerten. Ein stärker datengetriebenes Underwriting ermöglicht Versicherern eine präzisere Differenzierung von Risiken. Gute Entscheidungen hängen jedoch nicht allein von der Menge der verfügbaren Daten ab, sondern ebenso von ihrem Kontext. Unternehmen, die wirksame Kontrollmechanismen nachweisen und erläutern können, wie sie ihre Risikopositionen steuern, sind besser aufgestellt, um bedarfsgerechten Versicherungsschutz und angemessene Konditionen zu erhalten.

Bessere Daten und fortschrittliche Analysen können die Disziplin im Underwriting stärken, eine risikoadäquatere Preisgestaltung unterstützen und ein vorausschauenderes Verständnis komplexer Risikoprofile ermöglichen, darunter Cyberrisiken, Klimarisiken, Lieferkettenunterbrechungen und geopolitische Instabilität.

Darüber hinaus helfen sie Versicherern und Unternehmen, Präventions- und Risikominderungsmaßnahmen gezielter einzusetzen.

Die geplante Übernahme der spezialisierten und global tätigen Unternehmensberatung für Corporate Intelligence und Cyber-Sicherheit S-RM durch AXA XL spiegelt diesen Wandel wider. Durch die Verbindung von Versicherungsexpertise mit Kompetenzen in den Bereichen Cybersicherheit, geopolitische Risikoanalyse und Krisenmanagement sollen Kunden dabei unterstützt werden, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen, Präventionsmaßnahmen zu stärken und im Ernstfall wirksamer zu reagieren. Dieser integrierte Ansatz wird von der neu geschaffenen Geschäftseinheit Risk Advisory von AXA XL vorangetrieben.

KI wird ebenso dazu beitragen, Versicherungsprozesse stärker zu automatisieren und Underwritern eine effizientere Analyse von Risikoinformationen zu ermöglichen. Voraussetzung für ihren Einsatz sind jedoch umfassende Tests, Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse und eine angemessene menschliche Kontrolle. Verantwortungsbewusst eingesetzt, kann KI schnellere Reaktionszeiten, größere Auswahlmöglichkeiten sowie stärker individualisierte Produkte und Dienstleistungen ermöglichen.

Zusammenarbeit als Grundlage für einen resilienteren Markt

Veranstaltungen wie das FERMA-Forum ermöglichen es Versicherern, Maklern und Risikomanagern, ihre Sichtweisen auf sich rasch wandelnde Herausforderungen auszutauschen. Entscheidend ist jedoch, dass die Zusammenarbeit nicht an der Tür des Konferenzsaals endet: Der Umgang mit den Unsicherheiten von heute erfordert einen kontinuierlichen Austausch hochwertiger Daten, praktischer Erfahrungen und gewonnener Erkenntnisse.

Ein solcher Dialog kann dazu beitragen, neu entstehende Risikopositionen frühzeitig zu erkennen, bestehende Annahmen zu hinterfragen und Erkenntnisse in wirksame Präventions- und Risikominderungsmaßnahmen zu überführen. Unternehmen können Versicherern ein klareres Bild davon vermitteln, wie sich Risiken innerhalb ihres Geschäfts entwickeln, während Versicherer Daten, Schadenexpertise und spezialisiertes Know-how einbringen können, um die Resilienz ihrer Kunden zu stärken.

Mit der Weiterentwicklung des Marktumfelds wird sich der Wert einer Versicherung nicht allein über Bedingungen und Deckungsumfang definieren. Entscheidend wird vielmehr sein, inwieweit es der Branche gelingt, diszipliniertes Underwriting mit besseren Daten und engerer Zusammenarbeit zu verbinden. So können Unternehmen Risiken besser verstehen, Schäden verhindern und sich mit größerer Sicherheit in einem zunehmend komplexen Umfeld bewegen.

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