Rückversicherung
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Underwriting Manager für Cyber bei AXA XL. Sie ist zuständig für Deutschland, Österreich und die CSEE-Region.

In einer hochvernetzten Wirtschaft sehen sich multinationale Unternehmen Cyber‑Risiken gegenüber, die sich von Markt zu Markt deutlich unterscheiden. Um in diesem Umfeld nicht nur zu bestehen, sondern nachhaltig erfolgreich zu wachsen, braucht es einen marktspezifischen Ansatz, der lokale Risiken erfasst, Maßnahmen entsprechend anpasst und den Versicherungsschutz darauf abstimmt – im Einklang mit den jeweils geltenden aufsichts‑ und versicherungsrechtlichen Vorgaben. Ein zentraler Faktor ist dabei die Frage, ob und inwieweit lokale Deckung durch zugelassene Versicherer erforderlich ist (Admitted‑Pflicht).

Der Preis der globalen Vernetzung

Cyber‑Risiken enden selten an Landesgrenzen. Mit jeder internationalen Expansion wächst die Angriffsfläche, denn Netzwerke, Daten und Online‑Ressourcen werden global leichter erreichbar. Das erhöht die Exponierung gegenüber Ransomware, Datenabfluss und Angriffen auf die Lieferkette und kann erhebliche finanzielle Folgen, Reputationsschäden und grenzüberschreitende Betriebsunterbrechungen nach sich ziehen. Zusätzlich erschweren unterschiedliche Rechtsrahmen und regionale Ausprägungen der Cyberkriminalität das Risikomanagement. 

Dadurch rückt neben Technik und Prozessen die rechtssichere Programmarchitektur in den Fokus, insbesondere die Frage, wo Non‑Admitted‑Verbote gelten und wie lokale Deckung auszugestalten ist.

Deckungslücken vermeiden und Admitted‑Pflicht berücksichtigen

In zahlreichen Rechtsordnungen gilt eine Admitted‑Pflicht, nach der inländische Risiken nur von im Land zugelassenen Versicherern gedeckt werden dürfen. Dazu zählen für die deutsche Wirtschaft so wichtige Märkte wie Brasilien, China, Indien und Mexiko. In manchen anderen Ländern kann es auch ohne strikte Admitted‑Pflicht sinnvoll sein, mit Lokalpolicen zu arbeiten, etwa um eine rechtssichere Schadenregulierung in Landeswährung zu ermöglichen, lokale Versicherungsteuer korrekt abzuführen, grenzüberschreitende Zahlungs‑ und Sanktionshürden zu vermeiden sowie schnellen Zugriff auf lokale Incident‑Response‑Ressourcen zu erhalten. In einigen Märkten verlangen zudem Auftraggeber, Partner oder Behörden vertraglich einen lokalen Versicherungsnachweis, etwa bei Ausschreibungen, Lizenzen oder großen Lieferverträgen. Lokalpolicen in Landessprache und mit landesspezifischen Klauseln bilden Melde‑ und Datenschutzpflichten präzise ab und erhöhen die Durchsetzbarkeit vor Ort. Ob dies erforderlich oder vorteilhaft ist, hängt vom jeweiligen Markt, der Organisationsstruktur und den Risikoprofilen ab. Die marktspezifischen Anforderungen unterscheiden sich und entwickeln sich fortlaufend weiter.

Vor diesem Hintergrund sollten internationale Cyber‑Programme so gestaltet sein, dass sie marktspezifische Vorgaben abbilden und mögliche Lücken zuverlässig schließen. In Märkten mit Non‑Admitted‑Verboten müssen lokale Risiken bei zugelassenen Versicherern im Land platziert werden, damit der Versicherungsschutz rechtssicher ist und Schäden vor Ort reguliert sowie an die lokale Einheit ausgezahlt werden können. Kommt es beispielsweise bei einer brasilianischen Tochtergesellschaft eines deutschen Konzerns zu einem Cybervorfall, sind Regulierung und Auszahlung an die lokale Einheit in der Regel nur auf Basis einer in Brasilien platzierten lokalen Police möglich. In solchen Märkten bietet eine reine Master‑Police in der Regel somit keine rechtssichere, lokal durchsetzbare Deckung. In Märkten mit zulässigem Non‑Admitted‑Geschäft können sauber abgestimmte Lokalpolicen die Compliance erhöhen, die Abwicklung im Schadenfall vereinfachen und praktische Hürden bei Zahlungen und Meldungen reduzieren. Entscheidend ist eine klare Architektur mit definierten Schnittstellen zwischen der Master-Police und lokalen Bausteinen.

Um diese Anforderungen umzusetzen, ist die Zusammenarbeit mit spezialisierten Versicherern wie AXA XL sinnvoll. Sie koordinieren die Bereitstellung erforderlicher Lokalpolicen über eigene Einheiten und ein belastbares Netzwerk zugelassener Frontingpartner – in Landessprache und -währung sowie mit lokaler Abführung der Versicherungsteuern – und verzahnen diese mit einer konsistenten globalen Programmsteuerung über die Master‑Police. Auf Wunsch binden sie auch Captives ein, etwa über Captive‑Fronting und interne Rückversicherungsstrukturen. Je nach Bedarf und soweit rechtlich zulässig können Unterschiede in Bedingungen und Haftungslimits durch DIC/DIL-Deckungen (Difference in Conditions/Difference in Limits) abgefedert werden. Financial-Interest-Deckungen sichern auf Gruppenebene das wirtschaftliche Interesse der Mutter im Zusammenhang mit Schäden internationaler Tochtergesellschaften ab, ersetzen jedoch keine lokale Police und sind je nach Jurisdiktion und Rechnungslegung unterschiedlich verfügbar und wirksam. Im Schadenfall kann ein etabliertes Incident-Response-Netzwerk mit lokalem Zugriff auf Forensiker, Kanzleien und Krisenkommunikation sowie einer Koordination rund um die Uhr bei Melde- und Datenschutzpflichten die Reaktion deutlich beschleunigen und verbessern. Die Schadenbearbeitung läuft über einen zentralen Ansprechpartner mit klar definierten Prozessen und transparentem Reporting. Parallel beobachtet der Versicherer regulatorische Änderungen – etwa zu Non-Admitted-Regeln, Versicherungsteuern, Sanktionen und Zahlungswegen – und unterstützt mit präventiven Leistungen wie Risikoassessments und Tabletop-Übungen. Das senkt Compliancerisiken, verkürzt Wiederanlaufzeiten und erhöht die Planbarkeit.

Cybersicherheitsmaßnahmen lokal ausrichten

Multinationale Unternehmen müssen global denken und entsprechend ihrer Risikosituation lokal handeln. Da sich Bedrohungslagen, Infrastrukturen und regulatorische Vorgaben von Land zu Land teils deutlich unterscheiden, sind flexible Strategien gefragt, die unterschiedliche regulatorische Umfelder und Bedrohungsprofile abbilden und bei Bedarf zügig angepasst werden. Ein One‑size‑fits‑all‑Ansatz kann angesichts regionaler Unterschiede bei Technologiezugang, Infrastrukturreife und Rechtsrahmen vermeidbare Schwachstellen schaffen. Das gilt für Cybersicherheitsmaßnahmen ebenso wie für den Versicherungsschutz. Wer für die jeweiligen Länder und Standorte eine passgenaue Cyber‑Deckung sicherstellt, reduziert finanzielle und reputationsbezogene Risiken, beschleunigt die Reaktion im Schadenfall und stärkt das Vertrauen von Aufsichtsbehörden und Kunden. Lokale Anpassung auf Basis globaler Leitplanken erhöht die Resilienz und schützt die Zukunftsfähigkeit des Geschäfts.

In Europa prägen strenge Datenschutzvorgaben wie die DSGVO mit hohen Bußgeldern und umfangreichen Meldepflichten das Risikoprofil; Bußgelder sind je nach Rechtslage häufig nicht versicherbar, begleitende Kosten hingegen oft schon. In den Vereinigten Staaten erschweren fragmentierte Regeln auf Bundes- und Bundesstaatenebene einheitliche Prozesse und verlangen flexible, staatenspezifische Response- und Meldewege. In der Asien‑Pazifik‑Region gibt es sowohl fortgeschrittene Cybersicherheits‑Regulierungsrahmen als auch Märkte mit noch im Aufbau befindlichen Standards; zugleich vergrößern rasantes Digitalisierungstempo, Datenlokalisierungs‑ und Meldepflichten sowie Lieferkettenabhängigkeiten die Angriffsfläche. In Lateinamerika nehmen Regulierung und Durchsetzung zu, die Reifegrade bleiben jedoch heterogen, was Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenausmaß beeinflusst. Wer diese Unterschiede systematisch adressiert, richtet Deckung, Services und Prozesse passgenau aus und verzahnt lokale Bausteine sinnvoll mit dem Master.

Programmgovernance und laufende Pflege

Auch ein sauber aufgesetztes internationales Cyber‑Programm braucht Pflege. Sinnvoll sind regelmäßige länderbezogene Überprüfungen zu Zulassungsvorgaben, Versicherungsteuer, Melde‑ und Datenschutzpflichten sowie Zahlungswegen, die Aktualisierung von Wordings einschließlich zulässiger DIC/DIL‑Ergänzungen, klar definierte Eskalations‑ und Entscheidungswege für den Schadenfall und praxisnahe Übungen mit den beteiligten Einheiten und Dienstleistern, inklusive Lessons‑Learned‑Schleifen und Verfahrensdokumentation. Zudem ist es Best Practice, vertragliche Anforderungen an lokale Versicherungsnachweise fortlaufend im Blick zu behalten. Ergänzend helfen klare Zahlungsfreigaben und Zuständigkeiten, Vorkehrungen zur Datenlokalisierung und eine Sanktionsprüfung, einschließlich der Prüfung grenzüberschreitender Zahlungswege, damit Prozesse im Ernstfall reibungslos funktionieren. Ebenfalls bewährt haben sich die regelmäßige Überprüfung der Incident‑Response‑Partner, klare Messgrößen und feste Berichtsintervalle sowie – wo relevant – die Abstimmung mit Captive‑/Fronting‑Strukturen und Testläufe für Zahlungen und Meldewege.

Für Unternehmen bedeutet wirksames Cyber‑Risikomanagement, globale Leitplanken mit passgenauen lokalen Bausteinen zu verbinden. So lassen sich regulatorische Vorgaben einhalten, Reibungsverluste in der Schadenbearbeitung verringern und Risiken verlässlich transferieren. Ein strukturiertes Programm mit klar definierten Schnittstellen zwischen Master‑Police und Lokalpolicen, unterstützt von einem erfahrenen international aufgestellten Versicherer, schafft Tempo und Transparenz, stärkt die Resilienz und unterstützt die Compliance.



Erstveröffentlichung in VersicherungsPraxis 02/2026


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