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Es wird ungemütlichNiederschläge werden in Europa oft von der Lage und den Eigenschaften des Jetstreams bestimmt. Dieser verändert sich mit Laufe der Zeit und wird angetrieben durch das Aufeinandertreffen von kühlen Luftmassen, die aus der Arktis herabdriften, und der aus den Tropen heraufströmenden, mit Feuchtigkeit beladenen, warmen Luft. Dieses Jahr hat sich durch den Jetstream eine „Omega-Lage“ gebildet. Für die Menschen in Westeuropa war das eine ungünstige Entwicklung.Sie führte dazu, dass Westeuropa über mehrere Wochen von einem Tiefdruckgebiet mit hoher Luftfeuchte geplagt wurde. Diese Wetterlage sorgte wiederum für verheerende Unwetter, einschließlich der Sturmtiefs Elvira und Friederike.In Paris erreichte die Seine den höchsten Pegelstand seit 30 Jahren. In Teilen Südwestdeutschlands fielen innerhalb von zwei Stunden bis zu 100 mm Regen – mehr als dort normalerweise innerhalb mehrerer Wochen fällt. Im Département Seine-et-Marne in Frankreich und in vier Bundesländern in Nordwest- und Mitteldeutschland wurden amtliche Unwetterwarnungen der Warnstufe Rot herausgegeben, die nur selten erreicht wird.Zusätzlich zu starken Regenfällen bildeten sich heftige Unwetter mit Blitzschlägen und Hagel an der Grenze zwischen der kalten, trockenen Luft aus dem Norden und der warmen, feuchten Luft aus dem Süden und Osten. In Südbayern fielen beispielsweise Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu 5 cm vom Himmel.Die Stürme führten zu Überschwemmungen, Sturzfluten, Hagelstürmen und Blitzeinschlägen, und verursachten so erhebliche Schäden, vor allem in Deutschland und Frankreich.Tragischerweise starben 16 Menschen durch die Unwetter. In Deutschland, Frankreich, Rumänien, Belgien und Polen wurden Todesfälle gemeldet. In Südwestdeutschland wurden durch einen Blitzeinschlag auf einem Fußballfeld ca. 35 Menschen verletzt, darunter viele Kinder. Ein weiterer Blitz schlug in Paris ein und verletzte elf Menschen, darunter acht Kinder.Schätzungsweise betragen die versicherten Schäden in Deutschland 1,2 Milliarden Euro und in Frankreich etwa 2 Milliarden Euro. Der gesamte wirtschaftliche Schaden in diesen Ländern beläuft sich voraussichtlich auf 4 Milliarden Euro.Neue Normalität?Die Loire und die Seine sind im Winter anfällig für Überschwemmungen, wenn ein Überschuss an Wasser die Flusspegel über Monate ansteigen lassen. Dieses Jahr traten sie zwischen Mai und Juni über die Ufer. Beunruhigend ist, dass es laut der geschichtlichen Aufzeichnungen in diesen Flussbecken bisher nur zweimal zu Überschwemmungen kam, die nicht zwischen Dezember und März stattfanden. Dies war im Juli 1659 und im Juni 1856.Vor Elvira und Friederike tobten die Stürme Desmond, Eva und Frank letzten Dezember über Großbritannien und Irland.Diese drei Stürme verursachten großflächige Überschwemmungen und machten den Dezember zum niederschlagreichsten Monat seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1910. Während des Sturms Desmond fielen am Honister Pass in Nordengland innerhalb von 24 Stunden 341,4 mm Regen, ein neuer nationaler Rekordwert für die gefallene Regenmenge innerhalb von 24 Stunden.Mit einer Durchschnittstemperatur von 7,9 Grad Celsius – 4,1 Grad wärmer als das langjährige Mittel – war es auch der wärmste Dezember im Vereinigten Königreich seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.Welche Rolle, wenn überhaupt, spielte der Klimawandel bei diesen extremen und ungewöhnlichen Unwettern?Dieses Thema erforschen Klimawissenschaftler im wachsenden Forschungszweig der „Attribution“ (Zuordnung). Mithilfe größerer Datenmengen und verbesserten Klimamodellen untersuchen diese Forscher die Beziehung zwischen extremen Wetterereignissen und globalem Klimawandel und betonen, dass es das Ziel der „Attributionsforschung“ ist, den relativen Einfluss der Erderwärmung auf Unwetterereignisse zu untersuchen. Kerry Emanuel, Professor für Atmosphärenforschung am Massachusetts Institute of Technology, bringt es auf den Punkt: „Wir können und sollten nicht behaupten, dass ein bestimmtes (Ereignis) von der Erderwärmung verursacht wurde. Aber wir können sagen, dass die heutige Eintrittswahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses sich von der in der vorindustriellen Zeit unterscheidet.“Anhand von Klimamodellierungen der genannten sowie weiterer aktueller Wetterereignisse wurde festgestellt, dass der Klimawandel zur zunehmenden Häufigkeit von starken und ungewöhnlichen Regenstürmen beiträgt.Zum Beispiel analysierte ein Forscherteam, das für das World Weather Attribution-Projekt (WWA) arbeitet, Desmond anhand von drei verschiedenen Klimamodellen. Alle Modelle führten zu ähnlichen Ergebnissen: „Das Team stellte fest, dass Ereignisse dieser Art aufgrund des Klimawandels jetzt etwa 40 Prozent wahrscheinlicher sind als in der Vergangenheit.“Das WWA untersuchte zudem die jüngsten Starkregenfälle in Frankreich und Deutschland. (Einige der Forscher waren an beiden Projekten beteiligt.) Die Analyse kam zu folgendem Ergebnis:

 

„Das Team verglich die zwischen April und Juni stattgefundenen, dreitägigen Extremniederschläge mit historischen Aufzeichnungen und Klimamodellsimulationen. Daraus ergab sich, dass aufgrund des Klimawandels die Eintrittswahrscheinlichkeit für ein Ereignis dieser Art im Flusseinzugsgebiet der Seine heute etwa 80 Prozent höher ist als in der Vergangenheit. Bezüglich des Flusseinzugsgebiets der Loire stellte das Team fest, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit für ein Ereignis dieser Art wegen des Klimawandels heute etwa 90  Prozent höher ist als in der Vergangenheit. Die Ergebnisse für Deutschland waren nicht eindeutig.“

 

Eine multidimensionale BedrohungDurch die jüngsten Unwetter wurde auch aufgezeigt, welche Schwierigkeiten mit der Vorbereitung und Reaktion auf extreme Wetterereignisse einhergehen.Von allen Gefahren, die mit diesen Regenstürmen einhergehen, sind Flussüberschwemmungen wahrscheinlich am einfachsten zu handhaben – obwohl sie trotzdem enorm viel Schaden anrichten können. Die Überschwemmungsgebiete sind gut erfasst, und es gibt strukturelle sowie nicht strukturelle Maßnahmen für die Schadenminimierung.Außerdem können Flussüberschwemmungen oft mehrere Tage im Voraus vorhergesagt werden, sodass betroffene Gemeinden Zeit haben, sich entsprechend vorzubereiten. (Klicken Sie hier, um mehr über das Europäische Hochwasserfrühwarnsystem zu erfahren.)Wie jedoch Elvira und Friederike gezeigt haben, gibt es neben Flussüberschwemmungen weitere Gefahren, die weitaus schwieriger zu bewältigen sind.Blitzeinschläge sind zum Beispiel unvorhersehbar und unberechenbar. Es existieren zwar Schutzmaßnahmen, um Schäden an Gebäuden zu minimieren, aber Menschen haben nur eine Möglichkeit: an einem sicheren Ort Schutz suchen.Gleichermaßen ist es schwer vorherzusagen, wo und wann es zu heftigem Hagel kommen kann. Und Hagelkörner können schnell erheblichen Schaden anrichten, besonders in der Landwirtschaft und bei Kraftfahrzeugen.Auch Sturzfluten entwickeln sich kurzfristig, sodass Menschen nur wenige Minuten Zeit haben, vor den reißenden Wassermassen zu fliehen. Und der Umfang der Verwüstung kann rapide ansteigen, da Sturzfluten in ihrem Verlauf zunehmend an Kraft gewinnen und immer mehr Gegenstände mit sich reißen.Präventive Maßnahmen sind unerlässlichAufgrund der unterschiedlichen Risiken, die mit Schaden verursachendem und ungewöhnlichem Wetter einhergehen, sind für in Europa tätige Firmen vielseitige Maßnahmen erforderlich. Es sollte Risikomanagern vor allem bewusst sein, dass diese Gefahren allgegenwärtig sind. Nicht nur Gebäude in bekannten hochwassergefährdeten Gebieten sind bedroht.Katastrophenplanung ist somit unabdingbar.Risiko-Ingenieure für Sachversicherungen können Unternehmen dabei helfen, Notfallpläne zu entwickeln, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind und Maßnahmen beinhalten, die die negativen Folgen von Stürmen mindern und schneller beseitigen. Vor allem letzteres ist wichtig, da Einnahmeausfälle, geschädigte Kundenbeziehungen und die damit verbundenen finanziellen Verluste oft schwerer wiegen als die Sachschäden.Da sich die Risikolandschaft, teilweise aufgrund des Klimawandels, verändert, sollten Unternehmen ihre Sachversicherungspolicen unter die Lupe nehmen, damit die mit unberechenbaren und heftigen Regenstürmen verbundenen Risiken verringert werden.Viele Klimawissenschaftler sind davon überzeugt, dass schwere Regenfälle in Westeuropa immer wahrscheinlicher sind. Das sind traurige Aussichten – und Unternehmen sollten diese nicht unterschätzen.Quellen:Deutsche Welle, Climate change is making our summers more extreme, 30.06.2016New Scientist, Understanding climate change’s role in the UK’s recent floods, 06.01.2016

World Weather Attribution

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